Tramp Records New Release Party mit Tobias Kirmayer

Kirmayer kocht scharfen Funk

 

Kiel – Fritz Egner als Inspirationsquelle und einen der ersten Einflüsse anzugeben, scheint vordergründig ein gewagtes Unterfangen. Dem Norddeutschen eher als TV-Moderator von „Dingsda“ oder „WWW – Die Witzigsten Werbespots der Welt“ ein Begriff, verbreitete Egner vor knapp 20 Jahren in der Sendung „Black Friday“ im Bayrischen Rundfunk sein profundes Musikwissen über den Äther.

Für Tobias Kirmayer kam es einer Initialzündung gleich: „Der soll eine riesige Plattensammlung gehabt haben, vor allem mit Motown-Sachen. Das war genau zu der Zeit, als ich durch meinen Bruder auf diesen Sound aufmerksam wurde. Ich saß jeden Freitagabend zu Hause, um die Sendung aufzunehmen. Egner hat zwar auch viel Mainstream gespielt, aber ab und an so genannte Rare Grooves, die ich dann mitgeschnitten habe.“

Mittlerweile zählt Kirmayer neben Soul Rabbi und Florian Keller deutschlandweit zu den Top-DJs im Bereich Funk & Soul. Darüber hinaus hat er seine eigene Radiosendung „Soul Popcorn“, organisiert die monatliche Partyreihe „Shake A Leg“ und veranstaltet Konzerte. Angesichts dieser vielen Baustellen ruht momentan seine Tätigkeit als Musikproduzent.

Seit 2001 ist der Münchener professioneller DJ, der seine Sets mit Rare Grooves aller Art füttert – von Deep Funk und Raw Soul über Latin und Afrobeat zu Jazz Breaks und HipHop. Seit der Gründung des Labels Tramp Records vor sechs Jahren versorgt Kirmayer zudem unzählige Funk-Jünger, indem er sich neben aktuellen Bands wie The Hi-Fly Orchestra vor allem dem Wiederauflegen alter, obskurer 7“-Singles widmet.

Seine neueste Compilation „Contemporary Funk“ vereint bewusst eher unbekannte Acts und teilweise rare Veröffentlichungen, die sich mehrheitlich der gleichen Ursuppe bedienen: knackige Drums, scharfe Bläser sowie dezent gesetzte Gitarrenriffs, aufgenommen mit analogem Studio-Equipment. Für Kirmayer muss Funk rau und dreckig klingen, denn kein Computerprogramm könne einen Röhrenverstärker, kein Plug-in eine Hammond-Orgel nachahmen.

Den Einwand, dass sich der Stil nachdrücklich auf Vergangenes bezieht, kontert Tobias Kirmayer gelassen: „Nach 40 Jahren, in denen schon alles gespielt wurde und nicht mehr viel Neues kommen kann, ist das doch völlig legitim. Es sind ja keine Kopien, sondern neue Songs, die auf eine vergleichbare Soundästhetik zurückgreifen.“ Will Holland alias Quantic ist mit von der Partie, ebenso Finnlands namhafteste Funkband, die Soul Investigators, oder The Unstoppable S. Robinson & Marvelaires mit Musikern aus dem Umfeld von Sharon Jones (& The Dap-Kings).

Ohne Frage, Tobias Kirmayer ist ein leidenschaftlicher Verfechter von Funk & Soul. Seine These: „Die Labels Motown und Stax haben mit ihrem gefälligen Sound den Sprung zu den europäischen, weißen Hörern geschafft. Und James Brown hat es sogar geschafft, dass die Leute zu ihm gekommen sind, ohne dass er sich anpassen musste.“

Freitag, 22 Uhr, Weltruf (Lange Reihe 21-23)

KN-Online