Tomekk


Tomekk, gebürtiger Krakauer, der seit 1986 seine Heimat in Berlin gefunden hat, zählt zu den erfolgreichsten HipHop-Produzenten Deutschlands. Sämtliche Singles aus seinem zweiten Album „Beat Of Life Vol. 1“ landeten in den vergangenen Monaten direkt in den Top Ten. Und auch seine Schützlinge haben Erfolg, so zum Beispiel DSDS-Vanessa (mit Trooper Da Don), für die der 27-Jährige zwei Lieder produziert hat. Den Durchbruch schaffte Tomekk 1999 mit seinem Debüt „The Return Of HipHop“. Beim Nachfolger arbeitete er mit Lil'Kim, Rapper Ice-T, Basketballer Shaquille O'Neal und Sandra Nasic (Guano Apes) zusammen. Der als Tomasz Kuklicz geborene Tomekk hat nach seiner Hochzeit im März den Namen seiner US-amerikanischen Frau übernommen und heißt jetzt bürgerlich Tomasz Dunn.


KN: Das Kürzel DJ ist aus deinem Namen verschwunden. Eine Maßnahme, um auch als Produzent ernstgenommen zu werden?
Tomekk: Der Diskjockey ist die abstrakte Person, die an den Plattenspielern steht. Mein Tätigkeitsbereich ist aber mit der Zeit wesentlich umfangreicher geworden, etwa durch Videos, Artwork und das Produzieren. Von daher passt ein universeller Name besser.


KN: Wie kam der Kontakt zu deinen namhaften Studiogästen wie Grandmaster Flash oder Flavor Flav (Public Enemy) zustande, obwohl du 1999 noch nicht den heutigen Bekanntheitsgrad hattest?
Tomekk: Mitte der Neunziger tourte ich mit Kurtis Blow durch die USA und lernte dabei auch Flavor Flav bei einer Show in Las Vegas kennen. Ich fragte ihn, ob er auf meiner Single rappen wolle. Von da an war es beinahe ein Selbstläufer, indem über Kollegen und Bekannte wie Grandmaster Flash der Kreis immer größer wurde. Insofern sehe ich mich auch als internationalen Künstler oder als Repräsentant von ausländischen Künstlern in Deutschland. Dementsprechend positiv fällt das Feedback aus dem Ausland aus (Osteuropa, Frankreich, US-Underground).


KN: Dein Statement zu deutschem HipHop im Jahr 2003?
Tomekk: Ach, das kannst du komplett vergessen! Es gibt zwar richtig viele gute Künstler, aber keine Plattenfirma traut sich momentan, eine HipHop-Platte rauszubringen. Nur wenige Acts sind so etabliert, dass sie es sich leisten können, ein komplettes Album zu veröffentlichen. Diese bringen dann ihre Crew mit nach vorne, die im Laufe der Zeit auch immer besser werden. Ich wünsche mir mehr Vielfalt und dass mehr Business auf der Straße geschehen würde - die Entscheidungen bei Plattenfirmen sind oft tragisch. Eigentlich ist es deren schuld, dass in Deutschland so ein niedriges Niveau herrscht.


KN: Kritiker werfen dir vor, zu chartsorientiert zu arbeiten. Wie stehst du dazu?
Tomekk: Es gibt einfach zu viele Leute, die es nicht auf die Reihe kriegen, erfolgreich Musik zu machen! Ich gehe nicht zu den Charts – die Charts kommen zu mir! Mein Geheimnis ist, dass ich bei jeder Single neue Ideen mit den krassesten Styles einbringe. Weil das die meisten nicht schaffen, erklärt sich insofern auch mein Erfolg.


KN: Du bist 27, hast einen Zweitwohnsitz in L.A. und wirst im nächsten Jahr voraussichtlich Vater. Was hast du noch für Ziele?
Tomekk: Kurzfristig möchte ich im Atrium die Live-Premiere von „Dankbar“ spielen und im Oktober alle vier Singles gleichzeitig in den Top Ten platzieren. Und 2004 sollen ein oder zwei Alben von mir auf den Markt kommen, die die deutsche Musiklandschaft entscheidend verändern werden. Aber im Grunde verfolge ich keine monetären Ziele: Wichtiger sind mir die Liebe zu meiner Frau und zur Musik. Die kommt aus dem Bauch heraus, so dass ich mir ebenso viel Inspiration erhoffe.

Black B-Day Party mit Tomekk und David Fascher (Weltmeister im Scratchen), 22 Uhr, Atrium (Raisdorf)