Von Reisen und Frauen: Trailhead-Kopf Tobias Panwitz im Prinz Willy

Ausflüge in bilderreiche Regionen

 

Kiel – „Trailhead, das bin eigentlich ich“. Klingt erstmal großspurig, wie Tobias Panwitz sein Berliner Projekt vorstellt. Aber wenn es doch die Wahrheit ist? Es sind seine Songs, sein Schweiß, seine Schöpferkraft. Die Lieder sind derart arrangiert, dass sie sowohl mit Bandunterstützung als auch im Alleingang auf die Bühne gebracht werden können. Im Prinz Willy gibt es Trailhead als Ein-Mann-Vergnügen.

Bekanntlich kann derjenige was erzählen, der eine Reise gemacht hat. Und Panwitz war viel unterwegs, in Spanien, Nordamerika und Skandinavien. Also nimmt er an Gitarre und Gesang die überschaubare Zuschauerzahl mit auf den Weg nach Salamanca, wie es die aktuelle CD „The Road To Salamanca“ andeutet, und zeigt ihnen in unvergänglichen Folk/Popsongs und bildstarken Metaphern, was er dort gesehen und erlebt hat.
Während der Titelsong den Frühling im spanischen Nordwesten vertont, beschreibt „Walking The Camino“ den 900 Kilometer langen Pilgerweg, den „Ich bin dann mal weg“-Panwitz vor sechs Jahren lief und dabei mit verschiedenen Ausprägungen von Glauben konfrontiert wurde.

Doch sein liebstes, oder besser: zentrales, Thema sind Frauen. Gute Beziehungen zu Frauen, schlechte Beziehungen zu Frauen, Frauen im Allgemeinen und Speziellen. Er singt über solche, die mit seinem Herz ihre Schuhe geputzt haben. Er lässt in blumigen Worten ihr Haar leuchten wie die Nacht und wie das Mittelmeer. Bei „Julia Clover“ – wie auf CD sparsam und im Prinz Willy am legendären Klavier instrumentiert – versichert er, dass kein autobiographischer Hintergrund vorliege, wenngleich seine Freundin weiterhin skeptisch sei. Und selbst im norwegischen Bergen, wo er einen neuen Song über die dortige Zeit geschrieben hat und das abgenutzte Bild vom perlenden Regen am Fenster bemüht, steckt der Songtext voller sehnsüchtiger Gedanken an die eine.

Auffällig ist zudem die geschmackvolle musikalische Umsetzung. Tobias Panwitz vermag sein Gitarrenspiel zu variieren, indem er die Anschlagtechnik wechselt und beispielsweise „Plastic Beads“ mit zerlegten Akkorden begleitet. Und besonders das Zusammenspiel mit dem feinfühligen Gesang hebt ihn von den unzähligen Kollegen in der Singer/Songwriter-Sparte ab. Mit Melodien, für die im Englischen der Ausdruck „stuck in your head“ erfunden wurde und im Deutschen der berüchtigte Ohrwurm steht.

Selbst die Cover-Songs bekommen bei Panwitz einen passenden Americana-Sound, sei es Bruce Springsteens „Human Touch“ – seiner Meinung nach dessen bester Song von einem seiner schwächsten Platten – oder „Message To A Girl“ von Crowded-House-Sänger Neil Finn. Unverstärkt singt er zum Abschluss „Morning Light“, wie schon beim letzten Konzert im vergangenen November, als Panwitz mit kompletter Band im Prinz Willy spielte. Das alles gefällt den Zuschauern so gut, dass sie ihn auf der Bühne festnageln und ein halbstündiges Akustik-Zugaben-Programm erklatschen. So überzeugend, dass sich der Protagonist schließlich sogar dazu überreden lässt, die 35-Euro-Ukulele doch noch auszupacken. Wie gern hätte man einen wie Panwitz auf Klassenfahrten am Lagerfeuer gehabt.