Dynamik des Wechsels


Doppelkonzert: TransPORTER und Junges Glueck treten in der Schaubude auf



Das Karussell dreht sich weiter, rotiert scheinbar unkontrolliert, angetrieben von der Energie der Veränderung. Karussell des Lebens? Nicht unbedingt, denn auch eine Band stellt ihren eigenen Mikrokosmos dar. Stagnation ist Stillstand, Bewegung dagegen ist Fortschritt.

Bei TransPORTER verhält es sich ähnlich: Nach einigen nachhaltigen Identitätskrisen und teilweise irritierenden Konzerten im vergangenen ist das Kieler Trio jetzt mit neuem Schlagzeuger wieder am Start. Neben Neuzugang Szymon Slodowicz (sonst bei Frank Stallone & The Astronauts an der Schießbude) setzt sich die Band noch aus den Ur-Transportern Lars Stuhlmacher (Bass und Gesang mit Festanstellung bei Oli) und Steffen Frahm zusammen. Der Sänger und Gitarrist, der sich unter anderem mit den Clash City Rockers einen Namen machte, wagt mit seinen deutschen Texten den Spagat zwischen verletzender Direktheit und unsentimentaler Reflexion. Als weiteres vollständiges Mitglied zählt seit neustem eine Roland-Groovebox dazu, die bei gut der Hälfte des Programms als vierter Musiker in Erscheinung tritt.

Konzeptionell gesehen sind TransPORTER trotz dieser internen Neupositionierung so unberechenbar wie eh und je: Von krachender Melodieseligkeit bis hin zu bösartig klirrendem Gezicke ist weiterhin alles möglich. Der von Außenstehenden angebotene Referenzkatalog bewegt sich etwa zwischen Talking Heads, NoMeansNo und Gang Of Four. Wer allerdings meint, dass sich die Band je in konsensfähiger Beliebigkeit nach dem Motto "Hier-ist-für-jeden-etwas-dabei" verlieren würden, liegt definitiv falsch: TransPORTER klangen immer wie sie selbst – und so klingt niemand anders.

Den Anfang des Abends werden Junges Glueck gestalten. Die Hamburger spielen perfekt abgemessenen Powerpop in klassischer Viererbesetzung: Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug. Ihre Musik konterkariert dabei die Verlogenheit des Bandnamens. Junges Glueck versprühen zwar positive Energie und Leichtigkeit, doch hinter der schönen Fassade verbirgt sich Melancholie, Trauer und Wut. Musikalische Gleichgesinnte sind in Hüsker Dü, China Drum, Lemonheads oder Get Up Kids zu suchen. Die üppig arrangierten, trotzdem kurz gehaltenen Songs enden meist unterhalb der Drei-Minuten-Grenze. Kein Wort zuviel, kein Ton zu lang, alles auf den Punkt. Henrik Drüner


Morgen, 21 Uhr, Schaubude.

Kieler Nachrichten vom 11.02.2003