"Ich mag eigentlich keine Songs"


Snap!-Rapper Turbo B. ließ sich im Atrium hören und sehen – wenn auch ungern

Turbo B. ist alles andere als gut drauf. Zwölf Stunden Autofahrt hat er hinter sich, von Wien nach Kiel. Jetzt sitzt das wandelnde Klischee eines Rappers mürrisch auf einem Barhocker im Backstage-Bereich des Atrium und beschwert sich darüber, dass sein Management nicht in der Lage sei, einen Top-Ten-Künstler von Österreich nach Deutschland zu fliegen. Als Maurice Durron Butler geboren, steht Turbo B. stellvertretend für das Projekt Snap!, obwohl die beiden Frankfurter Produzenten Michael Münzing und Luca Anzilotti die vergoldeten Strippen ziehen. Die kolossalen Hits der Vergangenheit, etwa The Power, Rhythm Is A Dancer oder The Cult Of Snap, sind wieder da. Leicht modernisiert. Zum dritten Mal. Alter Wein in neuen Schläuchen. Später wird Turbo B. zusammen mit einer Sängerin die Songs in einer 45-minütige Live-Show zum Besten geben. Nach dem Soundcheck erteilt er die Lizenz zu drei Fragen.

Heute Abend repräsentierst Du das Projekt Snap!. Kannst Du Dich damit noch identifizieren, obwohl Du schon lange Zeit als Solokünstler tätig bist?

Ob ich mich damit identifizieren kann? Ich bin Snap! Was wäre Snap! ohne Turbo B.? Jeder übernimmt seinen Part, natürlich auch die Produzenten und Sängerinnen. Einer ohne den anderen würde die Formel durcheinander bringen. Wenn Du eine Zutat aus Coca-Cola rausnimmst, schmeckt es widerlich. Entfernst Du ein Element aus Snap!, klingt es widerlich. Insofern bin ich stolz, hier zu stehen.


Man liest, dass Du "Rhythm Is A Dancer" hasst? Wenn das stimmt: Warum?

Ich mag eigentlich gar keine Songs. Viel lieber mag ich den Klang eines Wasserfalls, von Natur und nackten Frauen. Ich kenne zwar nicht den Sound von allen nackten Frauen auf der ganzen Welt, aber im Grunde... doch! Rhythm Is A Dancer brachte eine Wende bei Snap!, die mir nicht passte: Ich wollte – wie bei meinen jetzigen Solo-Aktivitäten – eher in Richtung Rock, das Projekt steuerte dagegen eher zum Mainstream Dance. Can't be right all the time, man!


Wie erklärst Du Dir den momentanen Erfolg des Titels, selbst in der dritten Fassung?

Ich denke, es ist ein zeitloses Phänomen. Mittlerweile sind die Songs zu Dancefloor-Hymnen geworden. Ich bin froh, dass die neuen Fans angebissen haben und auch die alten noch sagen: Ja, das ist heiß! Ob ich davon gelangweilt bin? Rhythm Is A Dancer ist im Grunde der gleiche Song in einem neuen Remix. Insofern ist jetzt eher die Herangehensweise eines DJ's und Remixers entscheidend, als die eines Produzenten. Ich schätze deren Arbeit sehr! Für mich ist es Rhythm Is A Dancer. Was soll ich sagen? It is what it is!


Interview: Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 10.03.2003