Un Poco Pasatiempo im Lutterbeker - Eine große Portion kubanischer Lebensfreude

 

Lutterbek – Wenn man die musikalischen Traditionen und Ressourcen dieses durch Blasorchester und Volkstanzgruppen geprägten Landstrichs betrachtet, ist es umso verwunderlicher, dass seit sieben Jahren ein Salsa-Ensemble aus der Nähe von Itzehoe sein temperamentvolles und glaubwürdiges Flair verbreitet. Das Konzert von Un Poco Pasatiempo im Lutterbeker befriedigte die Wünsche der Tanzwilligen und Tanzwütigen aufs Allerbeste.

Sicherlich: Das Lutterbeker entspricht keinem Nachtclub in Havanna mit einer Mischung aus amerikanischem Luxus und kubanischer Lebensfreude, zwielichtigen Gestalten, Lebenskünstlern und Zigarrenrauch. Aber die ausgelassene Stimmung und die vehemente Tanzbegeisterung könnten auch in der Heimat des Salsa nicht ausgeprägter sein. Schon beim ersten Lied stürmt ein halbes Dutzend Paare vor die Bühne, rotieren in raffinierten Figuren und Drehungen jeweils vier Arme und Beine. Die lokale Salsa-Szene scheint gesammelt vor Ort, der Rest klopft mit den Fingern und träumt vom letzten, nächsten oder einem fiktiven Urlaub auf der Karibikinsel.

Un Poco Pasatiempo reisten im vergangenen Jahr zu den Wurzeln ihres Sounds, absolvierten in der Hauptstadt sogar einen Auftritt – und die Erinnerung lässt die Augen von Sängerin Sabine Weltmeyer leuchten. Sie ist es auch, die mit guter Aussprache, agiler Performance und dem nötigem Esprit es schafft, die Salsa-Party zu befeuern. An ihrer Seite bilden Thore Schinnagel und Max Sievers das männliche Pendant in dem zweigeteilten Set. Die meisten Lieder liegen in einem Tempo zwischen 90 und 100 BPM - ein Tempo, in dem man die ganze Nacht durchtanzen kann, ohne zu ermüden. Schmachtend wird es dann, wenn einmal das Tempo gedrosselt wird und Energiebündel Weltmeyer ihr kräftiges Alttimbre voll zur Geltung bringen kann.

Salsa heißt 'Soße' und bedeutet auf die Musik übertragen, dass alle Rhythmen so geschickt vermischt werden, dass sich alle Parteien in dieser Soße wieder finden: lateinamerikanische Rhythmen, Jazz und viel Gesang, gewürzt mit der Liebe zur Musik Kubas. Treibende Percussion der mehrfach besetzten Rhythm Section an Kuhglocke, Maracas, Congas oder Timbales wirbeln im Untergrund. Es raschelt, klopft, schabt und klingelt ohn’ Unterlass! Die Horn Section mit bemerkenswerten Akzenten von Querflöte (Imke Pfeiffer), Saxofon (Dennis Itzwerth) und Posaune (Ralf Rohwedder) liefert darüber den melodiösen Überbau, sei es bei „Candela”, „La Vida Es Un Carnaval” von Celia Cruz oder dem Lied, das 'Agua Cubano', sprich Havanna Club, gewidmet ist.

Entsprechend steigen die Temperaturen, der Schweiß fließt bei allen Beteiligten. Selbst ein zwischenzeitlicher Lichtausfall vermag niemanden in seiner Tanztrunkenheit zu stoppen - Band und Schwofende führen ihr Spiel unbeirrt fort, bis die Musiker wieder in ihrem feuerroten Outfit erstrahlen. Übrigens: Exklusive Salsa-Tanzreisen nach Kuba für zwei Wochen gibt es ab 1840 Euro.