Vladimir Harkonnen mit Debütalbum in der Rendsburger T-Stube

Die Hardcore-Party der Verdammten

 

Rendsburg – Wer als Musiker schon etwas länger dabei ist und offen bleibt für Neues, der wird beinahe automatisch Teil einer inzestuösen Mischpoke aus Ex-Bands, Zweit- und Drittbands, etlichen Studio- und Nebenprojekten und sonstigen musikalisch verhafteten Sippschaften. Dass dabei im besten Fall überaus fruchtbare Verbindungen entstehen, beweist die Releaseparty des Debütalbums von Vladimir Harkonnen in der Rendsburger T-Stube. Hardcore vom Feinsten.

Denn auch die Band aus Kiel und Rendsburg, beim Namen inspiriert durch die Rolle des Baron Vladimir Harkonnen in „Dune - Der Wüstenplanet“, gilt als solcher Bastard aus Mitgliedern von Bonehouse, 2nd Engine und N:O:M. Schon vor 20 Jahren spielten Eric Zölck (Schlagzeug), Zarc Zölck (Gitarre), Nils Neigenfind (Gitarre), Philipp Wolter (Gesang) und Andi Uranus (Bass) in Kiel und Umland mit den ersten Bands. 20 Jahre Rock und härter. Seit 2006 widmen sie sich in der aktuellen Besetzung den neuen Songs, die nun in das Album „Silence, As Long As A Thought, While The Executioners Are Reloading“ münden.

Die Vorband El Fupa aus Flensburg setzt sich ebenfalls aus den Resten anderer Bands zusammen: Bosco, Faint Stout, Attack of the Mad Axeman, Hallo Kwitten…um nur einige zu nennen. Das Konterfei des lokalprominenten „Youth Wars“-Protagonisten Bernd Knauer grinst vom Bühnenrücken, während El Fupa ihren kantigen Hardcorepunk durch die volle, aber nicht überlaufende T-Stube im unwirtlichen Stadtpark von Rendsburg jagen. Eindrucksvoll die Arbeit des Schlagzeugers, aberwitzig das Tamburin des rauhalsigen Sängers/Shouters Gerri. Knauer würde kommentieren: „Is’ nicht viel langweilig. Die sind heiß. Und schnell!“

Doch es herrscht zu viel Leerlauf, um das Publikum an sich zu binden. Symptomatisch das zweimalige Reißen eine Gitarrensaite: Bei Profis wird in solchen Situationen vom Bühnenhelfer die nächste Klampfe gereicht, in der Liga von El Fupa müssen als Pausenfüller schlechte Witze erzählt werden, bei denen sich einige Jungs als uneheliche Söhne von Kalauer-Kanone Fips Asmussen empfehlen.

Vladimir Harkonnen feiern anschließend eine „Party der Verdammten“ – so will es zumindest Frontmann Philipp Wolter. Gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie, gegen alle „Glühweinschweine und Weihnachtswichser“. Wolter ist ein Bühnen-Original: Mit unbändiger Leidenschaft und markant brummiger Stimme vereint der Gymnasiallehrer die Gesten von Rumpelstilzchen mit der Mimik von Jack Black. Manches Mal verzieht er sein Gesicht, als sei ihm die Pizza vor dem Konzert wirklich auf den Magen geschlagen. Mit unsichtbarer Hand dirigiert er den Moshpit, weicht den unkontrolliert Stürzenden aus wie Neo dem Kugelhagel. Inmitten des druckvollen Getrommels, der bratzigen Stop-and-Go-Gitarren und feisten Basslinien rollt auch er durch Bierpfützen oder schlägt die Discokugel von der Decke.

„Teddybear 666“ oder „Electric Sheep“ untermauern die Wandlungsfähigkeit von Vladimir Harkonnen mit Einflüssen aus Hardcore, Punk, Trash und Metal. „Roadkill B.B.Q.“ und dessen absoluter Hit-Refrain beschreiben das perverse Freizeitvergnügen von US-Rednecks, die in großer Runde alles Tierische auf den Grill schmeißen, was zuvor mit einem Chevy oder Pick Up gezielt überfahren wurde. Und bei der „Party of the Damned“ stehen zehn Mann aus dem Publikum auf der Bühne, um an den Mikros für noch mehr Schalldruck zu sorgen. Mit den Zugaben „The Power To Ride“ von 2nd Engine und „Onward To Mayhem“ von Bonehouse schließt sich am Ende der Kreis. Wie nett, die bucklige Verwandtschaft.

Meine Konzert-Fotos auf Vladis Myspace