Trotz flüssiger Rhymes hakte es hier und da bei der Vorzeichen Release Party im Luna


Wie es sich für eine HipHop-Veranstaltung gebührt, wird der Startschuss kurz vor Mitternacht ganz stilecht in butterweiche Reime gebettet: "Holt euch noch'n Bier und dann machen wir Party hier!" So platt, so gut. Das Trio Vorzeichen aus Neumünster wollte im Luna ein ganz großes Fass aufmachen und hatte allen Grund dazu: Die zweite CD Keine Hits für die Masse steht nach sechs Jahren Bandgeschichte frisch in den Plattenläden und soll heute erstmals live unters Volk gebracht werden.

Doch der Flow der Party hakt im Gegensatz zu den flüssigen Rhymes von Sum und Don Walderon an den Mikrofonen. Obwohl rund 50 Freunde und Wohlgesinnte – teilweise in Shirts mit den Crew-Namen – gekommen sind, um die Veröffentlichung zu feiern, will nicht so recht Stimmung aufkommen oder der Spannungsbogen über die Länge mehrerer Songs anhalten. Auch die Verbalakrobaten bemerken dieses leichte Defizit und versuchen krampfhaft dagegen anzusteuern: Gäste werden einzeln angesprochen, zum Tanzen animiert, ans Mikro geholt – doch alles wirkt nur wie ein Strohfeuer der Begeisterung.

An den Songs des neuen Albums liegt es sicherlich nicht. Zu den Beats von Bucktown Mark, der zwischen knackigem Old School-HipHop und unerwarteten Samples (The Sweetest Taboo von Sade) pendelt, beweisen Hot Shit, Hier bei uns im Norden oder Der große Coup die Fähigkeiten der beiden MCs: Perfekt aufeinander abgestimmt, bewegen sich Sum und Don Walderon gestenreich vor dem DJ-Pult und spielen sich mit gegenseitigen Einwürfen die wortreichen Texte zu. In denen betonen sie ihre bewusste Ablehnung des Mainstreams und verstärken dadurch die Solidarität mit dem Underground-Status; Ohne mein Team beispielsweise handelt vordergründig von der Fußball-Thematik, doch dahinter versteckt sich die Botschaft "Alle für einen, einer für alle".

Das Konzert sollte fließend in eine Party übergehen, doch der Großteil des Publikums wandert ab. So bleibt noch der härteste Kern zurück, der den Underground ausmacht und eines Tages vielleicht durchstarten wird. Wohl nicht mit "Vollgas", wie ein Songtitel heißt, sondern wie zwei andere es prognostizieren: Es könnte ein "Ein langer Weg" werden und "Schritt für Schritt". Von Henrik Drüner

nordClick/kn vom 17.04.2004 01:00