Musik im Wohnzimmer
Waldeck aus Wien begeisterte in der Pumpe

 

Im Berufsleben steht Klaus Waldeck mit beiden Beinen auf der Erde und hilft den Mitmenschen bei rechtlichen Fragen als Anwalt in der Wiener Kanzlei seines Vaters. Um die daraus resultierende Energie zu verarbeiten, tüftelt er daheim an elektronischen Klangbildern, die seine Partnerin Joy Malcolm im Studio mit ihrer intensiven Stimme untermalt. Durch ihre Sangestätigkeit für das bekannte britische Projekt Incognito, das eher jazzig-souligen Gefilden entspringt, erhalten die Tracks des österreichischen Duos die für sie typische Wärme.

So saßen die beiden gemütlich auf einem roten Plüschsofa, wodurch die Bühne dem Wohnzimmerflair der Musik entsprach, und stellten das Programm ihres Debütalbums "Balance of the force" aus dem Jahr 1997 vor, teils als Originalwiedergabe, teils für die Tour neu abgemischt. Die Phantasielandschaften, durch Videoprojektoren an transparente Leinwände geworfen, bewirkten einen beinahe irrealen Charakter im Konzertsaal, den ein Großteil der Zuschauer durch Kannabiskonsum noch zu verstärken versuchte. Besonderen Anklang fand der virtuelle Auftritt des zweiten Sängers Brian Amos, der scheinbar live auf dem Vorhang erschien und die Stücke "Spy like an angel" und "Northern Lights" begleitete. Da der Instrumentalpart der Stücke fast ausschließlich vom Band kam - einige Tasten betätigte Klaus Waldeck doch noch auf dem Keyboard - , konnte sich der Betrachter ganz dem Ozean der Sinne hingeben und sich von der hypnotischen Kraft der musikalischen und visuellen Kombination verzaubern lassen.

Angekündigt als "erfrischende Newcomer der Downbeatszene", dem ruhigeren und eher auf Atmosphäre bedachten Bruder des manchmal leicht hektischen Drum ´n Bass im Bereich des Breakbeats, wußte das sympathische Duo alle Anwesenden in seinen Bann zu ziehen. Da die Quantität an Zuschauern bei einer derartigen Darbietung nicht für die Stimmung ausschlaggebend ist, konnten auch die leider etwas dünn gestreuten Reihen der Qualität keinen Dämpfer bereiten. Mit einem unspektakulären Abgang ging so ein überzeugendes Konzert fließend in das DJ-Set von Demon Flowers alias Werner Geie über, der die benebelte Hörerschaft in den lauen Frühsommerabend entließ. Blieb nur die Frage: Fühlt sich Herr Waldeck für das sichtliche Propagieren von Pilzen und sonstigen berauschenden Mitteln nicht doch schon ein wenig zu alt? Henrik Drüner