Ye:Solàr im Luna

 

Wenn ausgelassene Spielfreude, versiertes Können am Instrument und perfektes Zusammenspiel bei einer Band zusammentreffen, müsste die Stimmung bei einem Konzert eigentlich durch die Decke krachen. Nicht so in Kiel. Da wird lieber ein Sicherheitsabstand zur Bühne eingehalten und möglichst während des gesamten Abends auf den bequemen Sofas rumgelümmelt. Dabei hätten es Ye:Solàr aus Berlin wirklich verdient gehabt, gebührend gefeiert zu werden.

Mit verschmitztem Grinsen gingen Christoph Reuter (Rhodes E-Piano), Steffen Illner (Kontrabass) und Jens Dohle (Drums) im Luna daran, ihre Version von Acoustic NuJazz musikalisch auszudrücken. NuJazz heißt es wohl immer dann, wenn sich zu einem traditionell besetzten Jazztrio noch die Elemente Sampling, Effects und Sequencing gesellen. Für einen Jazzpuristen klingt das zwar nach neumodischem Schnickschnack, in der Live-Situation haben die kleinen Helfer aber durchaus ihre Berechtigung: Da kommen Gesangsbruchstücke aus der Konserve zum Einsatz, die Drums werden schlagkräftig unterstützt oder Sounds entfremdet.

Nicht nur als Melodieinstrument stand Christoph Reuter mit seinem E-Piano im Mittelpunkt des Trios: Beinahe beängstigend agil bediente er die Tasten, servierte Akkordsalven zwischen Klangteppich und funky Staccato. Keine Sekunde vermochte er ruhig auf dem Hocker sitzen zu bleiben und führte stattdessen das seltene Schauspiel des Headbangens als Keyboarder ein – fantastisch! Der legendäre Klang des Fender Rhodes mit knurrigem Schmatzen in den Tiefen und glockigen Höhen verstärkte den tollen Eindruck. Ihm zur Seite standen der unauffällig, aber wirkungsvoll agierende Illner am Kontrabass - jawohl, Klischeebestätigung! – sowie die stoischen Beats von Jens Dohle. Absolut tight, absolut tanzbar. Per Augenzeichen wurden abrupte Breaks eingeleitet, zwischen Dancefloor Jazz und modaler Ausrichtung gewechselt, ohne dass dadurch der Spielfluss unterbrochen worden wäre: Die gemeinsame Zeit seit ihrem Musikstudium scheinen die Drei wirklich intensiv genutzt zu haben.

Refrains mit Latin-Feeling und die Wortakrobatik mit deutschem Sprechgesang von MC Malo (Jazzkantine lassen grüßen) hätten Hüften in Wallung bringen sollen. Von Ausnahmen einmal abgesehen, verpufften diese Bemühungen jedoch. So wurde das knackige, dreiteilige Set zu einem kurzweiligen Konzertabend, ließ jedoch die große Feier vermissen. An Ye:Solàr hat es sicher nicht gelegen.