Afrob

Afrob holt mit seinem mittlerweile dritten Soloalbum den “Hammer” (Four Music/Sony) raus. Der HipHop-MC, in dessen Pass Robert Zemichiel steht, machte sich neben seinen eigenen Veröffentlichungen vor allem mit dem Brothers Keepers-Projekt und der Zusammenarbeit mit Samy Deluxe als ASD einen Namen. Im Studio halfen Gäste wie Dean Dawson (Spezializtz), Samy, Max Herre, Joy Denalane oder Lisi, den Songs noch mehr Ausdruck zu verleihen. Szene-Mitarbeiter Henrik Drüner sprach mit dem 28-jährigen Stuttgarter.

Die Glocke: Wie würdest du die Entscheidung beschreiben, bevor es an dein neues Album ging?
Afrob: “Vielleicht mit der Szenerie eines Gangsterfilms: Ein Mann ist umzingelt im Haus von ganz vielen, miesen Typen. Er versteckt sich hinter einem Tisch, der durchlöchert wird – und hat nur noch eine Kugel. Dann überlegt er sich, ob er sich die selber geben soll oder jemanden erschießt. Aber wenn er schießt, muss er den Richtigen treffen! Übertragen auf die Produktion hieß das: Wenn ich diesen Album mache, dann mach’ ich es richtig. “Letzter Schuss” wäre vielleicht auch ein guter Titel gewesen!?”

Warum ist es “Hammer” geworden?
Afrob: “Wenn etwas richtig geil ist, dann benutzen wir Süddeutschen neben “Chef” auch oft den Begriff “Hammer”, ganz ohne Artikel.”

So überzeugt?
Afrob: “Klar, ich hab mich auf die Platte gefreut wie ein 19-Jähriger. Mit der Mischung aus der Erfahrung all meiner Veröffentlichungen und dem Esprit, den ich in mir hab. Man muss auch Fehler machen dürfen: Uneben ziehe ich aalglatt definitiv vor!”

Worin siehst du den größten Unterschied zum letzten Soloalbum „Made in Germany“?
Afrob: „Diesmal hatte ich die kompletten Beats schon vor den Texten und konnte mich so voll darauf konzentrieren. Bei „Made in Germany“ war ich musikalisch noch wesentlich stärker involviert, hab hier und da rumgebastelt. Der musikalische Background kam von den Berliner DJs Desue und Rocky, 5ter Ton von Massive Töne, aber auch Young RJ aus Detroit, Needlz aus New York oder Megahertz [P.Diddy, Jay-Z, Nas].

Wie kam es zum Kontakt mit den US-Produzenten?
Afrob: „Die Verbindungen entstanden, als ich für das ASD-Album mit Samy in den USA war und dort viele interessante Leute kennen lernte. Erstaunlich ist, dass wir beiden für unsere Solo-Platten nicht in den gleichen Topf geguckt haben, sondern völlig verschiedene Produzenten anfragten. Es kommt auch vor, dass Samy mich anruft und mir einen Beat anbietet.“

Ist ein neues ASD-Album geplant?
Afrob: „Nicht geplant, auch weil jeder mit seinem Album beschäftigt ist, aber wir verschließen uns nicht.“

Wie läuft es mit Brothers Keepers weiter?
Afrob: “Neben der Musik haben wir viel organisiert und aus diesem Grunde auch einen Verein gegründet, was aber leider von den Medien nicht entsprechend aufgenommen wird. Durch die Konzerte und Plattenverkäufe versuchen wir, diesen Verein zu finanzieren. Doch großen Einfluss haben wir als normale Musikgruppe nicht, das spielt sich viel weiter oben ab und hat gesellschaftspolitische Gründe. Von daher sollte man versuchen, in seinem Umkreis so viel wie möglich zu verändern.”

Dein Rap-Stil ist weiterhin sehr, naja, aggressiv…
Afrob: „Von Natur aus bin ich ein aggressiver Rapper, auch gerne laut am Mic. Ich kann zwar auch anders, aber leise über einen Beat nuscheln – das ginge gar nicht! Vom Party-MC zum Polit-Rapper wurden ihm schon alle Plaketten angeheftet, doch jetzt wäre es an der Zeit, mich als kompletten Künstler anzuerkennen.“


Discographie:
1999 „Rolle mit HipHop“
2001 „Made in Germany“
2001 Brothers Keepers „Lightkultur“
2003 ASD (Afrob & Samy Deluxe) „Wer hätte das gedacht?“
2005 „Hammer”