Afrob

Jenseits von eben

Um die Entscheidung für sein neues Album zu beschreiben, driftet Afrob in die Szenerie eines Gangsterfilms ab: “Ein Typ ist in einem Haus, umzingelt von ganz vielen, miesen Leuten. Er versteckt sich hinter einem Tisch, der durchlöchert wird – und hat nur noch eine Kugel. Wenn er schießt, muss er den Richtigen treffen! Übertragen auf die Produktion hieß das: Wenn ich dieses Album mache, dann mach’ ich es richtig. “Letzter Schuss” wäre vielleicht auch ein guter Titel gewesen!?” Es ist schließlich “Hammer” (Four Music/Sony) geworden, das dritte Soloalbum des Stuttgarter HipHop-MCs, in dessen Pass Robert Zemichiel steht.

“Ich hab mich auf die Platte gefreut wie ein 19-Jähriger, mit der Mischung aus der Erfahrung meiner Veröffentlichungen und dem Esprit, den ich in mir hab. Man muss auch Fehler machen dürfen: Uneben ziehe ich aalglatt definitiv vor” weiß der 28-Jährige mit dem aggressiven Rap-Stil. „Ich bin gerne laut am Mic. Ich kann zwar auch anders, aber leise über einen Beat nuscheln – das ginge gar nicht!“ Den musikalischen Background lieferten die Berliner DJs Desue und Rocky, 5ter Ton von Massive Töne, Dash aus Kroatien, aber auch amerikanische Produzenten wie Young RJ oder Megahertz. Die Verbindungen entstanden, als er und Samy Deluxe für das ASD-Album „Wer hätte das gedacht?“ durch die USA reisten und interessante Leute kennen lernten. Die Beats standen Afrob diesmal schon komplett zur Verfügung, bevor er die Texte darüber legte. „Bei „Made in Germany“ war ich musikalisch noch wesentlich stärker involviert, hab hier und da rumgebastelt.“ Die Studiogäste Dean Dawson, Samy, Max Herre, Joy Denalane oder Lisi erweitern den Radius der samplereichen Tracks („Es geht hoch“) oder der druckvollen Single „Wollt ihr wissen…“.

Das Brothers Keepers-Projekt läuft ebenfalls noch, auch als Verein. Neben der Musik wird viel organisiert, jedoch ohne große mediale Aufmerksamkeit. “Durch die Konzerte und Plattenverkäufe versuchen wir, diesen Verein zu finanzieren. Auch wenn wir als normale Musikgruppe wenig Einfluss haben, versuchen wir jeder, in unserem Umkreis so viel wie möglich zu verändern.” Vom Party-MC zum Polit-Rapper wurden Afrob schon alle Plaketten angeheftet, doch „jetzt ist es an der Zeit, mich als kompletten Künstler anzuerkennen.“ Henrik Drüner