Alex Amsterdam: Gespür für Hooklines

Kiel – Es ist verblüffend, wie viele Musiker beiderlei Geschlechts sich momentan als Singer/Songwriter bezeichnen. Eine Boom-Abteilung in der sonst rezessiven Musikbranche. Auch Alex Amsterdam möchte dazugehören. Nach der Devise „Singer/songwriter is the new rock'n'roll“ tingelt er durch die Clubs, laut Presseinfo auf „einer akustisch authentischen Reise durch die Schönheit der Momente und die Abgründe des Lebens.“

Der Haken: Nicht jeder, der sich in diese Schublade stecken lässt, hat wirklich die Abgründe erlebt, um daraus authentisches Material für Liedtexte zu gewinnen. Der Titel des Debütalbums, "Lonely Streets and Empty Lanes", gibt die melancholische Richtung vor.

Stilistisch könnten Alex und sein Support Falco aus Hamburg-Bergedorf eineiige Zwillinge sein: Beide hörbare Freunde von US-College-Bands, mit straffen Arrangements, bei denen der Vortrieb im Song zählt und nicht der Fortgang der Geschichte. Auch Falco ist meist nur mit einer Akustikgitarre gewappnet. Und er beweist Mut im Repertoire, indem er Bon Jovis "You Give Love A Bad Name" einer Neuinterpretation unterzieht. So wird aus dem Stadionrocker ein Prinz-Willy-Popper. Immer eingängig, mit angenehmer Stimme, aber insgesamt unspektakulär.
Nachdem er sieben Jahre lang als Frontmann von Queen Mom aktiv war, wandelt Alexander Rosin unter dem Pseudonym Alex Amsterdam seit Ende 2006 auf Solo-Pfaden. Mit frappierendem Frohsinn legt er sich mächtig ins Zeug, animiert und gestikuliert im schwach besuchten Prinz Willy auf der Bühne.

Es dominiert nicht die Einfühlsamkeit von Folk-Barden, sondern ein harter Saitenanschlag mit RockPop-Harmonien. Sein emotionaler Gesang und das mühelose Spiel stehen im Einklang mit den Liedtexten, die gescheiterte Beziehungen, Schreibblockaden und sonstige Lebensschieflagen thematisieren. Mit Verlaub: Lyrische Ergüsse sind es nicht, doch auf Englisch hört es sich zumindest knorke an und entzieht sich einer detaillierten Analyse. Zusammen mit Vater Volker Rosin, dem „König der Kinderdisco“ und Autor von Das singende Känguruh, stand der inzwischen 27-Jährige bereits im Alter von vier Jahren im Studio und nahm Kinderlieder auf. "For A Lifetime And Beyond" handelt von den Diskussionen zwischen Vater und Sohn über das Verhältnis von Akkordzahl und Popularität eines Liedes. Das Gefühl für Hooklines scheint dem Junior jedoch in die Wiege gelegt worden zu sein. Sowohl der Opener "Some Kind Of Bliss" und "One In A Million" als auch der heimliche Hit "Lost Without A Trace" könnten Wunder wirken. hd

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