Amanda Rogers kommt ins Prinz Willy: Flatternd zwischen Rachmaninoff und Radiohead

 

Kiel – Manche Musikerinnen und Musiker besitzen diese unverfälschte Gabe, ab dem ersten Takt die komplette Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erlangen, Stimmung im Sinne von Atmosphäre zu erzeugen und alleine mit ihrer Stimme und sparsamer Instrumentierung zu fesseln. Amanda Rogers ist so eine.

„Es ist immer spannend zu beobachten, wie das Publikum reagiert, wenn ich mein Keyboard aufstelle und beginne zu spielen“, berichtet die 25-Jährige von vergangenen und aktuellen Bühnenerfahrungen. Vor allem zu Beginn ihrer Karriere, als sie das Vorprogramm zu populären Emo-, Hardcore- und Punkrock-Bands absolvierte, musste Rogers harte Überzeugungsarbeit bei den teilweise auf Krawall gebürsteten Pubertierenden leisten. Mit Erfolg: Im Juli erscheint ihr mittlerweile drittes Album „Heartwood“, das erneut die besondere Intensität der Sängerin und Pianistin unterstreicht.

Mit sechs Jahren begann Amanda Rogers in Syracuse, NY, eine klassische Klavierausbildung und nahm darüber hinaus an beinahe sämtlichen schulischen Musikangeboten teil: Marschkapelle, Musicals, Chöre, Jazz Ensembles, das ganze Programm. Im Alter von 15 Jahren versuchte sie sich an ersten zaghaften selbst geschriebenen Kompositionen. Mit einer in Eigenregie produzierten CD konnte sie schließlich Chris Carrabba von Dashboard Confessional und Jonah Matranga (Onelinedrawing) als namhafte Fans gewinnen. Es folgte das Stahlbad „Vorband“, als zierliche Frau, alleine am E-Piano mit fragilem Gesang. Doch das New Yorker Label Immigrant Sun erkannte sofort ihre musikalischen Fähigkeiten und veröffentlichte 2003 das Debütalbum „The Places You Dwell”.

Elemente aus Klassik, Jazz und Pop bestimmen ihr Songwriting. Dabei zählt Rogers klassische Komponisten wie Chopin und Rachmaninoff ebenso zu ihren Einflüssen wie Radiohead und Bright Eyes - deren Songs sie schon oft auf ihren Konzerten neu interpretiert hat. Diese Verbindung aus klassischem Background und ihrer Verwurzelung in der Indie/Rock-Szene machen ihre Musik so reizvoll und einzigartig. Auch die Vergleiche zu Tori Amos oder Fiona Apple tauchen immer wieder auf - zu stark ist der Reflex, bei klaren Pianomelodien und sanftem und zugleich eindringlichem Gesang an die beiden Popsängerinnen zu denken.

Auf der jetzigen Europatournee wird Rogers erstmals von einer Backing-Band, The Sketchy Indians, begleitet. Zum einen, weil auch die Platte in kompletter Bandbesetzung mit Musikern von Shakira, Jewel oder Better than Ezra aufgenommen wurde. Zum anderen, weil die übrigen Instrumente ihren zerbrechlich-traurigen Piano-Balladen eine neue Dimension und Tiefe geben. Eine Tiefe, mit der dieser Engel am Flügel die Zuhörer zum Eintauchen einlädt.

Sonnabend, 20 Uhr, Prinz Willy