Anajo

Von Henrik Drüner

 

Manche sprechen bereits von „Augsburg Popcity“ oder dem neuen „Augspop“, wenn es darum geht, die Vielzahl von Bands aus der bayrischen Provinzstadt zu kategorisieren. Anajo sind eine davon - und wohl auch die populärste neben Nova International oder Roman Fischer, mit denen das Trio einen sehr guten Kontakt pflegt. „Ich glaub’, mit der Stadt an sich hat das aber recht wenig zu tun. Das sind einfach mehrere Musiker zur selben Zeit am selben Ort. Das kann auch in Castrop-Rauxel passieren“ schwächt Oliver Gottwald, Sänger und Gitarrist, die These ab.

Zumal es nicht immer so harmonisch zuging: Ende der Neunziger spielten er und Michael Schmidt (Bass, Keyboard) in „zwei ganz furchtbaren Bands“, die sich überhaupt nicht ausstehen konnten. Gegenseitige Lästereien und Intrigen waren an der Tagesordnung. Zu ihrem Glück wurden sie „vom schlechten Geschmack erlöst“ und beendeten die musikalische Feindschaft mit der Gründung von Anajo im Jahre 1999. Über eine Anzeige im Augsburger Stadtmagazin wurde kurz darauf der fehlende Schlagzeuger Ingolf Nössner gefunden.

Seitdem bestimmen Spaß an der Musik, Ernsthaftigkeit in den Texten und Nachdrücklichkeit in der Performance das Bild des Trios. Die CD „Nah Bei Mir“ (Tapete/Indigo) vom vergangenen Herbst bündelt als eine Art „Best of“-Sammlung die Veröffentlichungen der letzten fünf Jahre. Ein veritabler Hit ist „Hol Mich Hier Raus“, in dem Klaus Doldingers Vorspannmelodie von „Ein Fall für Zwei“ verwendet wurde und so eine Frischzellenkur der 80er-Fernseh-Kultur betreibt. Doch große Sprünge können Anajo nicht machen: „Dicke, aufgemotzte Nightliner sind im Moment noch in weiter Ferne. Unser Tourbus ist derzeit ein alter, ausrangierter VW Bus von der Bundeswehr. Schön lackiert in Tarnfarben. Deswegen nennen wir ihn auch ganz liebevoll 'Kriegsbus'.“ Außerdem gehen die drei noch einer geregelten Arbeit im Callcenter (Oliver), als Toningenieur (Ingolf) oder Media-Designer (Michael) nach.

Warum ihre Lieder eine wesentlich längere Halbwertszeit als vergleichbare Veröffentlichungen aus dem deutschsprachigen Raum aufweisen? Vielleicht sind es die teilweise dadaistischen Texten, die scheinbar nur den Reim als Zweck haben („Honigmelone, du bist nicht ohne/ Honigmelone, du kriegst die Krone“); oder die handfesten Lieblingslieder für die Tanzfläche („Monika Tanzband“); oder der jugendliche Charme, auch verkörpert durch das Cover-Artwork von „Nah Bei Mir“ mit Boccia-Spielen im Park. Eins ist klar: Anajo kennen die vier Akkorde für das Königreich Indie-Pop.

Dienstag, 21 Uhr, Schaubude.