Gerda Angermann: Regers Cello-Suiten in der Paulus-Kirche

 

“Wenn Sie wollen, können Sie ein zweiter Bach werden” prophezeite Hugo Riemann einst seinem Schüler Max Reger. Obgleich der Vergleich der beiden Komponisten ein ungleiches Bild ergäbe, fordern ihn die Cello-Suiten op. 131c, Nr.1-3 förmlich heraus: Nicht nur bezogen auf die Kompositionstechnik zeigen sich Parallelen - selbst die Tonarten stimmen mit denen der ersten drei Cello-Suiten des barocken Meisters überein. Die Hamburger Cellistin Gerda Angermann, ehemals Konzertmeisterin bei den Kieler Philharmonikern, nahm sich der anspruchsvollen Aufgabe in der Paulus-Kirche an und vertonte die differenzierte Sprache des frühen 20. Jahrhunderts.

Aus der Sicht Regers zählten die „3 Suiten für Cello allein“ zu seinen „Erholungskompositionen“, doch sie verlangten von der Cellistin höchste Fingerfertigkeit und volle Konzentration während des gesamten Vortrags. Angermann hielt sich trotz des spätromantisches Klangbildes an Ordnung und Klarheit und veranschaulichte dabei die komplizierte Kontrapunktik und Dichte der Faktur aufs Beste. Bisweilen schon zu glatt und perfekt im Spiel, stachen so besonders die tänzerisch-lebendigen Sätze heraus, beispielsweise die Gigue in Nr.2, d-Moll oder das melodieselige Scherzo Vivace aus Nr.3, a-Moll. Virtuose Doppelgriff-Passagen und die energische Fuge Allegro (Suite Nr.1, G-Dur) krönten Angermanns Konzert, für das sich die erfreulich zahlreichen Zuhörer mit warmem Applaus im kühlen Kirchenschiff bedankten. hd