Lesung und Hörspiel von Arne Sommer in der Campus Suite

Von Henrik Drüner

Die Situation sieht brenzlig aus für Peter Lundt. Der Detektiv befindet sich abends allein im Nordseewatt bei Büsum und auflaufender Flut mit der drohenden Gewissheit, in einer halben Stunde zu ertrinken. Problem: Lundt ist blind. Und alles begann scheinbar harmlos mit der Entführung von 20 japanischen Zierkarpfen, sogenannten Koi.

„Peter Lundt und das Keuchen des Karpfens“ heißt das Kriminalhörspiel von Arne Sommer, das in der voll besetzten Campus Suite als Lesung und Hörspiel vorgetragen wurde. Die Schauspieler Uta Dänekamp und Marc Bremer übernahmen dabei die Stimmen der beiden Protagonisten: zum einen die des ehemaligen Polizisten Lundt, der drei Jahre nach einem tragischen Unglück und Verlust von Augenlicht, Karriere-Ende und Scheidung einen Neustart wagt - sein erster Fall; zum anderen die seiner frisch rekrutierten Assistentin Anna Schmidt, einer 20-jährigen Studentin, die zusätzlich Licht ins Dunkel der Ermittlungen bringt. Auch dank der mitgelesenen Regieanweisungen des Hamburger Autors Sommer vermittelte die Szenerie ein Gefühl davon, wie feingliedrig und doch vertraut ein Hörspiel aufgebaut wird. Eine Mischung aus gesprochener Sprache, abgebrochenen Sätzen, Geräuschen und Musikuntermalung, die anschließend in der knapp 50-minütigen Version vom Band seine Vollendung fand. Das Publikum hörte die Geschichte durch die Ohren des Detektivs, ohne Erzähler und Erklärung, also unmittelbar und ganz nah dran.

Viel Hamburger Lokalkolorit durchdringt das Geschehen, von Lundts Büro in Altona über das Millerntor-Stadion vom FC St. Pauli und Kiezlokalen bis in feine Elbvororte. Der 43-jährige einsame Wolf charakterisiert den unwirschen und kauzigen, im Grunde aber herzlichen Typen. Mit seinem scharfen Gehör und den prophetischen Fähigkeiten gleicht er Theresias, dem blinden Seher aus „Ödipus“. Er will sich und der Welt unbedingt beweisen, dass er auch als blinder Ermittler noch eine gute Figur macht. Zumindest kein einfacher Job für die kecke Anna, damit klarzukommen. Auffallend: Immer wieder wurden Kalauer eingestreut, die Lundts Blindheit thematisieren (sie: „Bei mir ist aber nicht aufgeräumt“ – er: „Darüber seh’ ich hinweg!“). Es demonstrierte eine gewisse Lockerheit im Umgang mit der zentralen Thematik – sehr zum Vorteil für den gesamten Ablauf.

Als Zwischenspiele und Szenen-Überleitung diente seichter Groove Jazz, dem im Vergleich zu anderen Hörspielen etwas der Wiedererkennungswert fehlte. Aber definitiv ein gelungener Start des Hamburger hörformat-Verlags! Im zweiten Fall „Peter Lundt und die Rache des Drachens“, der im nächsten Frühjahr erscheinen wird, verschlägt es Lundt bei seinen Ermittlungen nach Hongkong.

weitere Informationen: www.hoerformat.de