HipHop in Reinform: Bahamadia im Luna


Die rote Baseballkappe hat sie tief ins Gesicht gezogen. So tief, dass man ihre Augen nicht sehen kann. So wird der Mund von Antonia Reed alias Bahamadia, MC und Produzentin aus Philadelphia, zum Blickfang und Zentrum allen Geschehens.

Bahamadia ist eine Vertreterin der alten Schule, Oldschool. Das betont sie immer wieder – vielleicht auch, um sich von den Kolleginnen zu distanzieren, die nur ihren Körper oder ein verwegenes Image auf der Habenseite vorzeigen können, ohne aber HipHop allumfassend zu leben. Mit ihrem Debütalbum Kollage und der EP BB Queen konnte Bahamadia ihren ganz eigenen, seelenvollen HipHop-Stil definieren. Das ist mittlerweile aber schon fünf Jahre her. Zeit, ihre Rhyme Skills und musikalische Offenheit im oft zu eng definierten Rapgenre neu zu verorten. Auf der A Layman's Day-Tour 2005 bekommt sie nur Unterstützung von dem aboluten Profi DJ Statik (Illvibe Collective), getreu dem Motto: ein MC und ein DJ. Keine Tänzer, kein Backgroundgesang, keine Lightshow. Style ist nichts, Stimme ist alles. Schon Produzent Guru bemerkte: "It's mostly tha voice that gets you up..." – und genau dies unterscheidet einen durchschnittlichen MC von einem 'wahren' Master of Ceremony.

Bahamadia ist eine starke, flexible Geschichtenerzählerin, deren Reime auch mal in abstrakte Wortspiele abgleiten, die aber immer wieder zum – meistenteils sehr persönlichen – roten Faden zurückfinden und dabei sämtliche Gangsterklischees außen vor lassen. Oft befasst sie sich mit ihren Wurzeln, ihrer Herkunft Philadelphia. Jazz-Samples bei Commonwealth (Cheap Chicks) oder zurückgelehnte Klavierakkorde liefern den stimmigen Teppich, unter dem die Beats pumpen.

Besonders bei Power, einem Spoken-Word-Song, bei dem es darum geht, sich seiner eigenen Stärken zu vergewissern, trumpft Reed auf: Mund- und Zungenakrobatik in Reinform und Reimform.

Drei Nachwuchs-MCs werden aus dem Publikum heraus auf die Bühne eingeladen und versuchen mit einminütigem Freestyle, es ihr gleich zu tun. Kiel: begeistert. Erst als Philstarr33 und DJ Mike wieder die Plattenteller übernehmen, nimmt Antonia Reed die Kappe ab. Sie lässt sich in die Augen sehen, schüchterne, aber wache Augen.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 25.05.2005 01:00