Das Jazz-Trio Bartmes überzeugte im Luna

 


Warum zu einem Konzert gehen, wenn man die Platten der jeweiligen Künstler auch gemütlich im heimischen Wohnzimmer hören kann? Ganz einfach: Bei manchen Live-Shows ergibt sich mehr als "nur" die musikalische Ebene. Ein Zugewinn, sei es durch Stimmung, äußere Umstände – oder medialen Sinnesrausch. Das Jazz-Trio Bartmes demonstrierte im Luna anschaulich, wie Musik und Video zu einer symbiotischen Einheit verschmelzen und sich gegenseitig befruchten.

Im klassischen Sinne stellen die Heidelberger ein Duo dar: zum einen Namensgeber Jo Bartmes an der doppelmanualigen B3-Hammondorgel und Laptop, zum anderen Nesweda am abgerüsteten Schlagzeug und Percussion. Doch Bartmes ist definitiv ein Trio, da Videojockey Genelabo mit zum Konzept gehört und nicht als nette Befriedigung der von Videoclips "verwöhnten" Generation herhalten muss. Mit vier Projektoren und selbst gebauten mechanischen Effekten ausgerüstet ließ er die Cosmic Grooves im Raum sichtbar werden. Durch rotierende Spiegel und Ventilatoren vor den Lichtkegeln flackerte das projizierte Bild an den Wänden und zuckte im Rhythmus. So erhielten die geometrischen Figuren, Großstadtimpressionen (Berlin) oder verfremdeten Diaaufnahmen eine ganz neue Dimension, zumal harmonisch abgestimmt auf die instrumental gehaltenen Songs. Deren Akzent lag verstärkt auf Klang, Fläche oder suggestiv wiederkehrenden Motive, beinahe hypnotischen Grooves in dieser SciFi-Atmosphäre.

Während die linke Hand des Bandleaders das Bassfundament tief tönte, wirbelte die rechte Jimmy Smith-like im Akkord- und Melodiesegment. Mit Wah-Wah-Pedal und Dynamikschweller dämpfte der 40-Jährige, der von 1991 bis 1999 in New York lebte und Ideen sammelte, die Töne variantenreich ab, verzerrte oder verschluckt sie halb. Die jazzige Attitüde entstand durch das verschachtelte Schlagzeugspiel, die improvisatorische Freiheit der Orgel und die Überwindung von stilistischen Grenzzäunen und Scheuklappen: Drum&Bass, 70's-Funk, Ambient und Groove Jazz reichten sich einträchtig die Hand. Zusätzliche Rhythmusspuren, elektronische Noise-Loops oder zerstückelte Fragmente einer Nachrichtensendung spuckte das Apfel-Laptop aus und komplettierte den Bandsound, so auch beim Höhepunkt Organic Groove. Ein Jazzkonzert der Jetztzeit, das ganzheitlich überzeugte.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 12.11.2004 01:00