Das Lisa Bassenge Trio euphorisierte das Publikum im voll besetzten KulturForum

 

"Vorsicht, das ist Kunst! Dazu gibt es Geplänkel", droht Lisa Bassenge lachend vor dem letzten Programmpunkt im KulturForum. Die Sängerin und Namensgeberin des Lisa Bassenge Trios hatte auf der Zugfahrt nach Kiel die Erlebnisse der vergangenen Nacht in einer Hamburger Karaoke-Bar aufs Papier gebracht.

Einer langen Nacht. Im eigenen Gelächter gehen die ersten Verse unter, ebenso der Improvisations-Jazz von Andreas Schmidt (Flügel) und Paul Kleber (Kontrabass). Doch das Publikum ist vom Konzert euphorisiert, lässt das Trio kaum von der Bühne. Wegen angejazzter Coverversionen bekannter Popsongs? Zum Glück nicht. Die Berliner stehen weniger für ein Repertoire aus abgenudelten Replikaten als vielmehr für eigenständige Kompositionen mit vertrautem Hintergrund. Auch mit ihrem aktuellen Album Three verkörpern sie weiterhin modernen Trio-Jazz, der sich nicht dem Pop verschließt.

Die vollbesetzten Stuhlreihen im KulturForum zeugen von der Popularität des Vocal Jazz, aber auch von der Qualität dieses famosen Dreiergespanns. Es reichen schon ein Flügel, Bass und Gesang, um eine ungeheure Klangfülle zu erzeugen; hervorgebracht von Musikern, die jahrelanges Zusammenspiel nutzen, dabei aber ihre Neugier und Lust auf Neues bewahren. Bei der Songauswahl scheint Arrangeur Schmidt absolut schmerzfrei zu sein: Can't Get You Out Of My Head geht über in A Hard Day's Night, Bésame mucho folgt auf Rio Reisers Junimond.

Bassenge im langen, schwarzen Samtkleid intoniert klar, geschmeidig und experimentierfreudig. Und so vollmundig, dass die Vokale von "go cat go" im Song Blue Suede Shoes genüsslich ausgekostet werden, dadurch einen besonderen Reiz ausmachen und das Lisa Bassenge Trio von der Masse abhebt. So auch am Flügel: Schmidt zupft, schabt und reibt die Klaviersaiten, bringt frische Variationen in Altbekanntes wie I Got You (I Feel Good), My Heart Belongs To Daddy oder There Must Be An Angel (Playing With My Heart). Nie zwanghaft innovativ, sondern musikalisch eingebunden.

Die Töne sind oft zum Greifen nah, sinnlich fühlbar, wenn eine Gesangsmelodie in die Stille des Raumes dringt und vom abwechslungsreichen Bassfundament Paul Klebers geerdet wird. Teilweise gerät das Programm zu seicht, wenn sich das Trio zu nah an der Vorlage orientiert und bei der Rekonstruktion des Originals zu vorsichtig ist. Denn am schönsten klingt es, wenn beispielsweise das Tempo frontal gegen die Wand gefahren wird und alle drei unversehrt aus dem Wrack klettern. Am Schluss konstatiert Lisa Bassenge: "Kiel ist wirklich begeisterungsfähig!" Wie auch sonst, bei so einem Konzert? Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 12.02.2005 01:00