Ben Human

 

Genau drei Jahre nach dem Solo-Debüt steht ein neues Album von Ben Addison alias Ben Human bereit: „The Out Of Towner“ (Unique/Groove Attack), benannt nach einem Film mit Jack Lemmon von 1971. Sein Umzug von London nach Düsseldorf bringt aber auch einen autobiografischen Bezug. Schon eingelebt? „Ja, ich mag die Stadt sogar sehr! Das Tolle: Du kannst die Stadt in einer halben Stunde durchfahren, selbst zur Rush-hour - in London brauchst du dafür drei Stunden.“

Addison, der als Songwriter, Schlagzeuger und Sänger der Acid Jazz-Band Corduroy in den Neunzigern viel Ruhm erntete, geht als Ben Human einen anderen Weg. Er extrahiert Fragmente aus alten Latin-, Jazz- oder Funk-Stücken, reichert sie mit tanzbaren Beats an und setzt sie in ein neues Groove-Umfeld. Immer auf seine eigenwillige Weise, mit Zwischentracks und dem futuristischen Pop-Artwork. So schaffte bereits „Go Human Not Ape“ den Brückenschlag zwischen den Ursprüngen britischer Club-Culture und ihren aktuellen Ausprägungen. Die aktuelle Platte wirkt rauer und dunkler im Sound, auch dank Michael Scheibenreiter, der sonst bei Phoneheads und Combination Records eher für Drum&Bass und Elektronik bekannt ist.

Über dessen Kollegen Philipp Maiburg kam der Kontakt zustande: „Ich mag die Idee, dass zwei Musiker aus verschiedenen Richtungen zusammen arbeiten. Da ich kein ausgebildeter Studiotechniker bin, war ich eh auf einen Profi angewiesen – da kam mir Michael ganz recht!“

„Angry Computer“ steht stellvertretend für Scheibenreiters Einfluss, im Kontrast etwa zur damaligen Gute-Laune-Single „Stonefox“. Addison verzichtete diesmal komplett auf Gesangsspuren, fokussierte die Stilvielfalt auf Breakbeat- und Elektronik-Elemente und hielt die Zahl der Gastmusiker so gering wie möglich. Nur sein Bruder Scott (auch Corduroy-Mitglied gewesen) am Piano, DJ Rafik mit Scratch-Einlage sowie Eli Goulart und Scheibenreiter kommen zu Kurzeinsätzen.

Priorität genießt ohnehin der Beat: „Schlagzeug aufzunehmen ist eine Wissenschaft für sich. Da ziehe ich gut produzierte Beats mittlerweile vor, die dann absolut präzise klingen“ betont Addison. Denn Ben Human-Songs zünden nicht nur in der Wohnzimmer-HiFi-Anlage.


Henrik Drüner