Bosse auf der delta radio-Bühne in der Halle400 - Voller Saft und Kraft

Von Henrik Drüner

 

Er will kein Rockstar sein und stattdessen nur seine Musik machen. Damit möchte er jeden Monat seine Miete bezahlen und nach dem Aufstehen einen Milchkaffee genießen können: Axel Bosse, 25-jähriger Wahlberliner. Beim Konzert mit seiner Band auf der delta radio-Bühne in der Halle400 dominiert sauber produzierter, unpeinlicher Deutschrock. Nicht mehr, aber auch keineswegs weniger.

Ein sehr sympathischer Wesenszug bei Bosse: Er ist nicht so ganz auf Hochglanz getrimmt wie viele Kollegen aus dem germanophilen Segment. Seine Texte wollen niemals mehr sein als das, was sie für den Augenblick hergeben. Oft sind es schnell festgehaltene Momentaufnahmen, Polaroids von Gefühlen, Emotionen, Gedanken. Das Leben ist kein Ponyhof - und Bosse kennt die Schattenseiten: „Ich bin umgeben von Reichtümern, Jungmodelle stecken sich den Finger in den Hals/ ich glaub die größten Silikonlippen und alle Eure Liftings sind Gedenkstätten der Zeit“ spuckt der Sänger und Gitarrist bei „Keine Panik“ Gift und Galle auf die fadenscheinige Fit For Fun-Gesellschaft.

Das Programm speist sich aus seinem Debütalbum „Kamikazeherz“, das kantig, rockig und rau ausfällt. „Explodiert“ markiert den wütenden Beginn, „Stadtastronauten“ thematisiert Sex auf Berlins Dächern, während die Power-Ballade „Winterzeit“ die Zeiiit der gedehnten Vokale ausmacht. Und wenn die Welt da draußen noch so grau ist – bau dir einfach deine eigene, mach was draus: So denkt Axel Bosse, so lebt Axel Bosse, auch in dem Hit „Kraft“ und dem mitreißenden Refrain „Ich streck dir meine Kraft entgegen/ Stillstand ist Vergangenheit/ Wir haben nur ein Leben/ In Zukunft wird es bunter sein“.

Die gut nach vorne rockende Backing-Band (Gitarre, Bass, Schlagzeug) wird von Mitgliedern der Wuppertaler Formationen Uncle Ho und Heyday gestellt - und die drei machen einen souveränen Job. Von Nutzen ist die zweite Gitarre vor allem in den Passagen, in denen sie Melodien setzt oder den Gesamtsound erweitert. Der Zuspruch fällt zwar geringer aus als in den Tagen zuvor, jedoch bringen „Kilometerweit“ und die zweite Single „Keine Panik“ viel Bewegung ins wohlwollende Publikum. Für Miete und Milchkaffee sollte das allemal reichen, oder nicht?