Till Brönner

Von Henrik Drüner

 

Till Brönner ist wirklich ein Phänomen: Wie der Trompeter es schafft, auf derart vielen Hochzeiten einen gepflegten Tanzschuh aufs Parkett zu legen, zeugt von immenser Begeisterung für die Sache und einem ausgeklügelten Terminkalender. Nicht nur, dass er mit seinem aktuellen Album “That Summer” (Verve/Universal) viele Fans dazu gewinnen und sein internationales Format untermauern konnte. Nein, das Chamäleon zeigt sich zudem ebenso erfolgreich als Arrangeur und Produzent (u.a. für No Angels, Hildegard Knef, Manfred Krug), Regisseur („Blue Note“), Radiomoderator und Komponist der Musik zu Pepe Danquarts „Höllentour“-Film.

Als Gastgeber bei „Talkin` Jazz“ in der Bundeskunsthalle Bonn lädt Brönner entweder einen renommierten Jazz-Kollegen (Klaus Doldinger) oder einen anderen prominenten Gast (Mousse T., Roger Willemsen, Götz Alsmann) ein, um mit ihnen zu plaudern oder zu musizieren. Diverse Dozententätigkeiten im Fach Jazztrompete und Jazz-Improvisation, beispielsweise an der HfM „Hanns Eisler“ oder der HdK in Berlin, runden das Bild dieses viel beschäftigten Allroundkünstler ab.

Auf der „That Summer“-Tour 2004 – selbstredend präsentiert von Jazz thing – reist Brönner für dreizehn Konzerttermine Ende November/Anfang Dezember quer durch Deutschland. Das Album, das sommerlich leichten Smooth-Jazz versprüht, verdeutlicht seinen neuen musikalischen Ansatz: Neben der bewährten Trompete und Flügelhorn baut er mittlerweile verstärkt auf das Instrument der eigenen Stimme. „Ich muss nichts wirklich mehr revolutionieren, musikalisch hat es alles gegeben. Der wichtigste Faktor im Jazz ist die Freiheit, sich in der Minute, in der Sekunde zu überlegen, was man jetzt eigentlich machen möchte. Wir spielen jeden Abend ein anderes Konzert. Jede Nummer klingt jeden Abend anders, die Soli sind anders, der DJ spielt jeden Abend ein anderes Solo auf seinen Turntables und das bleibt Improvisation - und Improvisation ist sehr wichtig. Dann ist es ja fast egal, ob es Jazz oder Pop oder HipHop oder Klassik ist.“ Spricht’s, und eilt zum nächsten Termin.