Till Brönner

Till Brönner ist wirklich ein Phänomen: Dass der Trompeter es schafft, auf derart vielen Hochzeiten einen gepflegten Tanzschuh aufs Parkett zu legen, zeugt von immenser Begeisterung für die Sache und einem ausgeklügelten Terminkalender. Nicht nur, dass er mit seinem aktuellen Album “That Summer” (Verve/Universal) viele Fans dazugewinnen und sein internationales Format untermauern konnte.

Nein, das Chamäleon zeigt sich zudem ebenso erfolgreich als Arrangeur und Produzent (u.a. für No Angels, Hildegard Knef, Manfred Krug), Regisseur („Blue Note“), Radiomoderator und Komponist der Musik zu Pepe Danquarts „Höllentour“-Film. Als Gastgeber bei „Talkin` Jazz“ in der Bundeskunsthalle Bonn lädt Brönner entweder einen renommierten Jazz-Kollegen (Klaus Doldinger) oder einen anderen prominenten Gast (Mousse T., Roger Willemsen, Götz Alsmann) ein, um mit ihnen zu plaudern oder zu musizieren. Diverse Dozententätigkeiten im Fach Jazztrompete und Jazz-Improvisation in Berlin runden das Bild dieses viel beschäftigten Allroundkünstler ab.

Auf der „That Summer“-Tour 2004 reist Brönner für dreizehn Konzerttermine Ende November/Anfang Dezember quer durch Deutschland. Die Ideen für das Album entstanden jedoch in einer kanadischen Blockhütte: „Es war ungewohnt, vom totalen Stress direkt in die Einöde zu geraten. Dort habe ich etwas erlebt, was mit schon öfter passierte, wenn bei mir Ruhe einkehrt: Es kommen immer dieselben musikalischen Sachen in meinen Kopf, ähnliche Klangvorstellungen. Ich wollte diesem Drang nachkommen“ berichtet Brönner aus der idyllischen Einsamkeit.

Trotz der Umgebung versprühen die Songs sommerlich leichten Smooth-Jazz, süße Melancholie und unbeschwertes Latin-Flair. Und sie verdeutlichen einen neuen musikalischen Ansatz: Neben der bewährten Trompete und Flügelhorn baut Till Brönner mittlerweile verstärkt auf das Instrument der eigenen Stimme. „Ich konnte mich der Neugier nicht verschließen, ob so etwas über ein ganzes Album funktionieren würde. Man sollte annehmen, dass man genauso singt, wie man spielt. Aber das stimmt nicht: Immer, wenn ich das versucht habe, klang es ganz komisch. Ich könnte das, was ich mit der Trompete spiele, stimmlich schon technisch gar nicht bewältigen, weil mir das Handwerkszeug fehlt. Zumindest habe ich vom Singen gelernt, mich beim Spielen etwas zurückzunehmen.“ Spricht’s und eilt zum nächsten Termin. Von Henrik Drüner


06.12.2004, Bielefeld - Ringlokschuppen