The Broken Beats strotzten im Nachtcafé vor wilder Experimentierlust

Es ist alles so einfach. Wenn es passt. Wenn Fehler gemacht werden dürfen, ohne dass dadurch Schaden entsteht. Wenn Bands wie The Broken Beats im Nachtcafé ein Konzert auf die Bühne stellen, an das sich die Zuhörer noch lange erinnern werden - und dabei eine der Melodien des Abends pfeifen. Das Quintett, das bis auf den Paderborner Tasten-Neuzugang Leif aus dem dänischen Aarhus stammt, verschreckt zu Beginn. Man bekommt das Gefühl, der fünfköpfige Chor über dem Lo-Fi-Gitarrengeschrammel könnte aus dem Ruder laufen.

Denn The Broken Beats streben nicht nach Perfektion, sondern leben wilde Experimentierlust, verschmitzten Witz und die überbordende Phantasie des Bandleaders Kim Munk aus. Da sind Gesangs-Phrasierungen, Klavier-Einsätze, Bläser-Arrangements und Textformulierungen, die plötzlich Erinnerungen an andere Songs, andere Pop-Epochen aufblitzen lassen. Breitbandpop, der soulig, knackend, scheppernd, unkonventionell und verträumt daher kommt und Referenzen von Stereolab bis Lambchop erschließt. Doch der Lotse hält das wild ausschlagende Dekaden-Ruder mit festem Griff, bricht Songwriter-Konventionen, Tabus und Stilgrenzen wie Streichhölzer.

Mit Maria (Bass), Nis (Gitarre) und Mads am Schlagzeug mäandern The Broken Beats zwischen melancholischem Gitarren-Folk, energetischem Rock und psychedelischen Einsprengseln hin und her. Zappaeske Brüche durchziehen die opulenten Arrangements, spielerisch leichthändig oder auch theatralisch in Szene gesetzt wie bei Broken Dreams. Dabei entführen sie den Hörer ins Damals und Übermorgen, als sei es das einfachste auf der Welt. Optisch zeigen sich die Musiker im Retro-chic, ohne jedoch retro sein zu wollen und müssen. Stattdessen bewegen sie sich frei von falscher Etikette, Trends und Treiben: fast wie eine Hippie-Kommune auf Ausflug.

Ihr aktuelles Album The Weather Beats The Rhythm bestimmt das zweistündige Programm, mit dem Titelsong als einem der Höhepunkte. Maria schraubt ihre Stimme engelsgleich in glasbruch-verdächtige Höhen, während Kim zwischen den Lagen springt, aber sein Timbre einladend wirkt wie bei Stephen Malkmus oder Damon Gough von Badly Drawn Boy. Nicht nur in den Sampler-Gimmicks und Ansagen - einem Kauderwelsch aus Dänisch, Englisch und Deutsch - zeigt sich, dass der Sänger und Gitarrist einer der Menschen ist, die witzig sind, ohne Schenkelklopfer am Fließband zu produzieren.

Vielmehr verkörpert er eine Kombination aus ursympathischer Ausstrahlung und kindlicher Tapsigkeit, wenn er sich in den Instrumentenkabeln verheddert und von der Bühne stolpert. Verschroben, aber nicht seltsam; eigen, aber nicht narzisstisch. Es macht den Charme der Band aus, wenn sie Fehler als Teil ihrer Philosophie integriert: Wie beim letzten Song mit absichtlich verstimmter Gitarre, die erst kurz vor dem finalen Akkord in die vermeintlich richtige Stimmung gebracht wird. Ein kleiner Kniff, der soviel über The Broken Beats aussagt - und im selben Augenblick auch über deren grandioses Konzert.

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 24.11.2004