Terry Callier

 

„Jazz My Rhythm And Blues“, „Blues For Billie Holiday” oder “Paris Blues” heißen einige der Songs des neuen Albums von Terry Callier. Und nichts könnte die darauf befindliche Musik besser beschreiben als diese Titel, die das Spannungsfeld von Jazz und Rhythm’n’Blues so treffend umreißen. Der 60-Jährige Brite Callier kehrt mit „Lookin’ Out” (Universal) wieder zum Verve-Label zurück, wo ihm 1998 mit “TimePeace” sein großes Comeback gelang.

Denn der Blick in seine musikbezogene Biographie weist einige Lücken auf und verdeutlicht, dass nicht nur eitel Sonnenschein den künstlerischen Werdegang beschien: Terry Callier wurde am 24. Mai 1945 geboren und wuchs - mit Curtis Mayfield, Jerry Butler und Ramsey Lewis als Jugendfreunden - in der North Side von Chicago auf. Während seiner College-Zeit wechselte er vom Klavier zur Gitarre und begann in Läden wie dem Kaffeehaus Fickle Pickle aufzutreten, wo ihn schließlich Charles Stepney entdeckte, der für Chess Records als Arrangeur fungierte. Er war es auch, der 1962 Calliers Debütsingle “Look At Me Now” produzierte.

In den folgenden 15 Jahren wechselten sich erfolgreiche Plattenverkäufe (“The Love We Had Stays On My Mind”, 1972), Vertragsauflösungen, Folk-Meilensteine (“The New Folk Sound Of Terry Callier”, 1965) und Flops ständig ab. Fortan zog sich Callier beinahe zwei Jahrzehnte lang ganz aus der Musikszene zurück, da er zum einen in die Rolle des alleinerziehenden Vaters schlüpfte, zum anderen sich nach einem festen Job außerhalb des wankelmütigen Musikbusiness umsah. Bis Anfang der 90er Jahre verschwand fast komplett von der Szene, arbeitete als Programmierer und hielt sich nur mit sehr gelegentlichen Konzerten in Form.

Nach der gefeierten Rückkehr als Songwriter scheint Terry Callier einen wahren Kreativitätsschub auszuleben, veröffentlicht er beinahe im Jahresschnitt eine weitere Langspielplatte. Weit davon entfernt, nur ein Sänger mit samtweichem Organ zu sein, demonstriert Terry Callier auf „Looking Out“ seine Interpretationsfähigkeiten: Bei den langsameren Titeln scheint die Zeit stehen zu bleiben, während die bissigeren R’n’B-Nummern eine glasklare Lebenslust offenbaren. Er bleibt dabei mit seiner eigenwilligen Phrasierung des Gesangs sowie der sensiblen Instrumentierung (Streicher, Harmonika, akustische Gitarre, Bläser) seiner Songs unverkennbar. Ein begnadeter Erzähler voll emotionaler Eleganz, der von Liebe, Krieg und Frieden berichtet und jeden Ton mit Anmut füllt. Terry Callier verkörpert den Typus Künstler, der sich trotz aller Rückschläge behaupten konnte und nun in zweierlei Hinsicht belohnt – sich selbst und besonders die Hörer. Henrik Drüner


23. Oktober, Aalener Jazztage.