"Popmusik ist kein Plastikprodukt": KN-Interview mit dem Sänger Cosmo Klein

 

Kiel – Die viel zitierten Höhen und Tiefen des Lebens – Marcus Klein kennt sie zur Genüge, trotz seiner erst 27 Jahre. Geboren im westfälischen Anröchte, lebte Klein als Jugendlicher drei Jahre in El Paso, Texas. Die Zeit danach war geprägt von Außenseitertum, Rebellion und gesellschaftlichem Ausstieg. Ein Suizidversuch brachte die Wende, verbunden mit einem unerschöpflichen Fundus an Songs und Texten unter seinem Pseudonym Cosmo Klein. Mit Sasha schrieb er außerdem den Fußball-WM-Song "This Is My Time", für Ben den Hit "Herz aus Glas". Nächste Woche erscheint sein zweites Solo-Album "Human" (105 Music/SonyBMG). Mit seinem "Cosmo-Mobil", einem VW-Bully, rollte Cosmo Klein für ein Gespräch zum Funkhaus Wittland in Kiel.

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Entstehen deine Songs im Alleingang?

Cosmo Klein: Nein, ich hab' ein Team um mich herum: meinen Produzenten und Freund Robin Grubert sowie einen Engineer. Ich bin nicht so der Computer-Typ, eher der kreative Kopf. Daher weiß ich, in welche Richtung es gehen soll und auch, wie das alles funktioniert. Aber da lass ich lieber die anderen ran.

Aber die Songtexte haben schon einen autobiographischen Hintergrund?

Absolut. Ich erzähl aus dieser Zeit, in der ich viel kämpfen musste. Die Single "Nothing To Lose" beispielsweise handelt von einem Freund, mit dem ich viel Scheiß gebaut habe. Er kam immer weiter auf den absteigenden Ast, hat aber irgendwann die Kurve gekriegt.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Ich steh' auf gute Produktion, mag wohlklingende Musik und eingängige Melodien, die hängen bleiben. Bin also Captain Hook-mäßig unterwegs! Oft wird eine Platte dann als "glatt" bezeichnet. Aber bei Prince, auch seinen Balladen, funktioniert es ja auch. Insgesamt ist die Platte ausgewogener als die letzte, mit lauten und ruhigen Momenten. Ein guter Song muss auch akustisch funktionieren. Wenn der Effekt nur über den Sound oder die Produktion kommt, ist das meistens nichts.

Aber der Pop-Appeal ist schon sehr hoch...

Popmusik ist meines Erachtens kein Plastikprodukt, sondern gelerntes Wissen und Erfahrung im Songwriting. Sieh doch einmal Marvin Gaye oder James Brown – das ist alte, gute Popmusik! In den Neunzigern hat das Image ziemlich gelitten, auch später durch Sendungen wie "Superstars". Dadurch verbindet man damit sofort "Ausverkauf" und "Mainstream". Für mich hat es damit nichts zu tun – es ist die Königin der Musik, weil du die Freiheit hast, alle möglichen Musikstile zu zitieren.

Daher auch dein Künstlername?

Ja, er steht für meine ganzheitliche Ausrichtung als Kosmopolit der Musik, mein kleines musikalisches Universum: Cosmo Klein. Zu meiner Lernphase gehörte dazu, dass ich im vergangenen November ein komplettes Album zurückgezogen habe, weil ich merkte, dass ich mich damit ein wenig verrannt hatte. Die Platte gefiel mir irgendwie nicht mehr, hat sogar genervt. Die Entscheidung war eine harte Geschichte, aber letztendlich absolut richtig. Zum Glück bin ich jetzt bei einem Label, wo jeder weiß, was der andere macht. Da kann man sehr effektiv arbeiten.

Ist die Betonung deiner Biographie Teil einer Promotion-Show?

Ich sehe mich nicht als Kunstfigur. Das wäre zwar reizvoll, wie es Sasha als Dick Brave gemacht hat, aber Cosmo Klein und Marcus Klein sind eine Person. Die Texte sind meine Themen, die mich interessieren. Bin auch kein Teeny-Typ! Man würde die Leute doch verarschen, wenn man nicht an das glaubt, was man da veröffentlicht. Gerade in der heutigen Zeit, wo man um jeden Käufer kämpfen muss. Man sollte das machen, worauf man Bock hat, damit kommt man auch am Weitesten.

Das Interview führte Henrik Drüner

http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1916214