Coup de Bam - Kurzweil mit langem Hals

 

„Es gibt zwar eine große Anhängerschaft des Vienna Sounds in der Türkei, vor allem in Istanbul, aber irgendwie stehen wir genau dazwischen“, beschreibt Wilko Goriany die beiden Grundpfeiler von Coup de Bam. Auf dem Debütalbum „Coup de Bam“ (Couch Records/Soulfood) vermischt der Wiener Produzent mit seinen Kollegen Özden Öksüz und Metin Yilmaz groovige Lounge-Beats und orientalischen Pop zu einem kosmopolitischen Extrakt.

Impulse zum Songwriting kommen von allen dreien, Schlagzeuger Wilko Goriany ist dabei der klassische Studiotyp: „Ich kümmere mich um die Computersachen, komponiere so vor mich hin. Özden kommt von der Saz, der türkischen Langhalslaute, während Metin die Rolle des Blasinstrumentalisten einnimmt.“ Die Studiogäste bringen zusätzlich eine individuelle Note in die Songs. Cloud Tissa aus Zaire beispielsweise rappt bei „Mellow M.“ auf Kiswahili, mit französischem Touch. Anders die gebürtige Schweizerin Barbara Bandi, die jetzt in Wien wohnt und Goriany auf einer Party kennen lernte: Ihr rauchiges Jazz-Timbre ist eine absolute Entdeckung, denn nichts deutet darauf hin, dass sie bisher keinerlei Studiomusik-Erfahrungen hatte.

Die Wiener Sängerin Madita war bereits durch ihr Soloalbum positiv aufgefallen und bereichert das verträumt-emotionale Duett „Too Soon” mit Özden Öksüz. „Wir kennen uns sehr lange, haben auch schon vor zehn Jahren zusammen Musik gemacht“, erinnert sich Goriany. „Der kurze Abstand zwischen den Veröffentlichungen hat sich jedoch zufällig ergeben.“ Über Darbukka-Spieler Ahmet Misirli ergab sich auch die Gelegenheit, zwei Wochen in Istanbul direkt vor Ort einige Streicherparts aufzunehmen und das orientalische Moment im Sound herauszuarbeiten. Bereits mit dem Projekt Eden konnten Özden und Yilmaz in den späten Neunzigern große Erfolge feiern - vor allem in der Türkei. Vorher waren sie bei MC Sultan aktiv, gemeinsam mit Vlado Dzihan und Mario Kamien, die wiederum anschließend dZihan & Kamien gründeten.

Ein dicht verzweigter Klüngel, der sich ganz gezielt und unverkrampft über Ländergrenzen hinwegsetzt - und daraus seinen Reiz bezieht. Eine Türkei-Promo-Tour im August 2005 kam jedenfalls sehr gut an, „auch wenn die Musik für den dortigen Markt vielleicht schon zu schräg ist. Ob das richtig einschlägt, können selbst Özden und Metin nicht genau sagen.“ Henrik Drüner