Souveräne Wellenritte: Culcha Candela und Silbermond auf der N-Joy Bühne am Ostseekai

Von Henrik Drüner

 

Geburtstag auf der Bühne - für jeden Musiker der (Alp-)traum schlechthin. Johannes, der Silbermond-Bassist, bekommt um Mitternacht ein Ständchen der anderen Bandmitglieder und einigen Tausend Fans gesungen. Inniges Gruppenkuscheln. 24 ist er gerade geworden. Da bleibt noch viel Zeit, den Traum vom Popstar weiterzuleben.

Drei Stunden zuvor haben Culcha Candela den Abend auf der N-Joy Bühne eingeläutet. Die Gruppe kommt zwar aus Berlin, doch spricht die internationale Besetzung aus Kolumbien, Uganda, Korea, Polen und Deutschland für einen hohen Multikulti-Faktor. Sechs MCs stehen in Reihe auf der Bühne, wirbeln nicht nur sprachlich mit einem Gute-Laune-Partymix durch das Kontrastprogramm zum anschließenden Headliner. Teilweise im Stile einer Boygroup, legen die Zeremonienmeister schicke Tanz-Choreographien aufs Parkett, sind ständig in Bewegung, wenn Salsa, Reggae, Soca und HipHop-Groove ungebremst aufeinander prallen. Im Hintergrund sorgt ein DJ für den Bass-Teppich, füttert die Songs mit Beats und Samples. Die Songthemen, vorgetragen auf Spanisch, Englisch, Jamaika-Kreolisch und Deutsch, fallen sehr unterschiedlich aus: „Solarenergie“ preist die gelbe Sau und deren positive Einfluss auf das Wohlbefinden, „Una Cosa...“ unterstreicht - politisch absolut korrekt - das Bekenntnis zu Toleranz und Respekt.

So schaffen es Culcha Candela, Spaß und Anspruch ohne jeden Reibungsverlust überzeugend unter einen Hut zu bringen. Erstaunlich textsicher zeigen sich die meist jungen Zuschauer. Sie klatschen die Band zurück auf die Bühne, feiern ausgelassen bei „Partybus“ und „Next Generation“, den Titelsong des letztjährigen Albums. Sehr überzeugend stoßen Culcha Candela in die Lücke zwischen Gentleman und Seeed.

Silbermond reiten dagegen auf einer neuen, deutschsprachigen Welle. Ob aktiv oder passiv, wer will das schon beurteilen? Zumindest ist der Platz am Ostseekai proppenvoll mit Fans und Neugierigen, die sich von der Band aus dem sächsischen Bautzen ein Bild machen wollen. Exemplarisch meine Begleitung: „Selbst wenn man die Musik nicht kennt, hat man das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Und die Sängerin ist schon ein Hingucker!“ Gemeint ist Stefanie Kloß, schwarze Lederjacke, frech, sympathisch, mitreißend. Gewöhnungsbedürftig zwar die schrill-kieksenden Ansagen, doch in den Songs wird ihre Stimme zu einer massenkompatiblen Allzweckwaffe. Der passende Opener für Kiel hätte „Meer sein“ und der Wunsch nach Wassernähe sein können, doch Silbermond starten rockig mit „Lebenszeichen“, „Nein Danke“ (Megaphon-verstärkt) und „In Zeiten Wie Diesen“. Thomas (Gitarre) und Johannes Stolle (Bass) sowie Andreas Nowak (Schlagzeug) spielen unauffällig gut, halten ihrer Sängerin den Rücken frei, wenn diese permanent den Fankontakt sucht und sich als Crowdsurferin auf Händen tragen lässt.

Ohnehin macht die Band in den 90 Minuten das ganz große Konzertfass auf: 'Silbermond unplugged’ mit Akustikgitarre, 'Silbermond emotional’ mit der Ballade „Das Beste“ und Gitarrist Stolle an den Tasten, 'Silbermond als Coverband’ mit dem, nun ja, omnipräsenten WM-Song der Sportfreunde Stiller, und schließlich 'Silbermond Fanglück’ mit einem handverlesenen Dutzend Zuschauern, das sich zu den Musikern gesellen darf. Die beiden eingestreuten Single-Hits, „Symphonie“ und „Zeit Für Optimisten“, geben Anlass zu einem riesigen Chor. Vielleicht behalten Silbermond mit einer ihrer Textzeilen recht: „Wenn die anderen nicht mehr können, fangen wir gerade erst an.“