Hausmusik intim: David Fridlund & Band im Nachtcafé


Kiel – Der Song "April & May" steht symptomatisch für vieles im Leben, nicht nur diese zwei Monate Unentschiedenheit zwischen Sonne und Schauer - es ist der perfekte Übergangssong zwischen Lachen und Weinen, Lust und Frust, Liebe und Leiden. Im Nachtcafé begeistert der Schwede David Fridlund mit Bandbegleitung das Publikum mit seinem Emotionspop.

Sein Solodebütalbum "Amaterasu" benannte Fridlund zum einen nach der japanischen Göttin des Lichts, zum anderen aber auch nach dem zweiten Vornamen von Sara Culler. Sie ist sowohl seine Lebensgefährtin als auch Sängerin, Gitarristin und Keyboarderin. Hausmusik der intimen Art, die auch im größeren Rahmen einer Deutschland-Tour wirkt.

Trotz des ersten von sieben Gigs – quasi von der Fähre auf die Bühne – ist das Quartett aus Malmö erstaunlich gut abgestimmt. Fridlund sitzt zentral am Klavier, das die Songs mit sattem, prägnantem Sound stützt. Die Tasten geben somit Intensität und Takt vor, während Rickard Flygel (Bass) und John Bjerkert am Schlagzeug sich in ihre unaufdringliche Rhythmusarbeit fügen. Unterstützt wird der Bandsound durch die zweistimmigen Gesangspartien von Fridlund und Culler, die ähnlich dem ganzen Konzert einem Grundsatz zu folgen scheinen. Pathetisch: ja. Kitschig: nein.

Das Songwriting zeigt viel Sinn fürs Dramatische, für ein wenig Prunk und bleibt dabei immer verspielt – Attribute, die Fridlund in seiner anderen Band David & The Citizens weniger stark ausleben kann. "White Van" erinnert in seiner Inbrunst an Ben Folds, der gerne diese eingesprungenen Klavier-Akkorde in wechselnden Lagen spielt, und dadurch Dynamik erzeugt. Ein wenig Jahrmarkt-Stimmung kommt auf, wie bei Karussellmusik aus den Dreißigern. Darüber liegen die feinen Melodien, zurückgenommen und melancholisch, die einen packen, aber nicht zerreißen, die leicht verdaulich sind, aber trotzdem Tiefgang haben.

Zwischen großem Gefühlskino eines Richard Clayderman und den lebendig stampfenden Viertelbetonungen von The Clashs "London Calling" ist in diesem Power-Pop alles möglich. Beim bisher unveröffentlichten "Fevering My Head" nimmt Fridlund die Gitarre, wechselt an anderer Stelle zur Trompete und gibt den Songs immer eine neue Klangnote. "Busride & Carsick" schlägt mit atonaler Orgel im Gegensatz zum sonstigen Harmoniestreben quer, und auch "November" bricht am Ende leicht aus. Doch das Songwriting geht in Richtung zeitlos, vor allem dank der Stimmen von Fridlund und Culler (wunderschön fragil bei "Before It Breaks"). Die Ballade "Then I Will Miss You" bündelt die Stärken, versprüht dieses gewisse Etwas, wodurch das im Text besungene Handhalten zwar eine kleine Geste bleibt, aber große Wirkung zeigt.

Von Henrik Drüner