De La Soul machten in der voll besetzten Traum GmbH Party

 


Die Plattenteller stoppen, die Musik bricht ab. Wie zur Salzsäule erstarrt empfangen De La Soul den Applaus, saugen regungslos die Euphorie auf, um anschließend wieder auszubrechen. Drei, viermal geht das so. Das HipHop-Trio aus New York spielt mit dem Publikum, mit den technischen und musikalischen Mitteln des Genres – und mit der verblüffenden Tatsache, dass sie nach über 15 Jahren weiterhin verschiedenste Altersklassen begeistern, die in der Traum GmbH gemeinsam eine große Party feiern.

Sie treffen alle aufeinander: die jungen Wilden, komplett gestylt und in den ersten Reihen tonangebend, aber auch die Vertreter der Ü30-Fraktion, die sich weiter hinten angrinsen, mit den Händen in bewährter HipHop-Manier wippen und sich ins Jahr 1988 zurückversetzt fühlen.

Da liegen die Anfänge von Vincent Mason alias Maseo, Kelvin Mercer alias Pos und Dave Jolicouer alias Trugoy, die zwar die alte Schule verkörpern, aber keineswegs in ihrer Entwicklung stehen geblieben sind. Kurz nach 22 Uhr lässt Maseo an den Turntables die ersten mächtigen Beats durch die vollbesetzte Halle rollen. "Can I kick it?" – "Yes, you can!" Ein passender Einstieg, sind A Tribe Called Quest bekanntlich auch Mitglieder der Native Tongue-Family und Gleichgesinnte, wenn es darum geht, HipHop mit Funk- oder Soul-Elementen anzureichern.

Grandmaster Flash beackerte vor zwei Jahren in der Pumpe ein ähnliches Feld, jedoch ausschließlich als DJ-Set. Bei De La Soul dominiert eine Mischung aus Konzert und Party. Konzert, weil sich die Band durch sämtliche Stadien ihrer Entwicklung spielt: die ehrwürdigen Titel A Roller Skating Jam Named Saturdays und Me Myself And I aus der Frühphase im fließenden Übergang, Stakes Is High von 1996 und Songs vom aktuellen Album The Grind Date; Party, weil die gut aufgelegten Mikrofonkünstler sämtliche Register ziehen: Animierfreudig binden sie die Zuschauer ein, die den Partyfinger der HipHop-Hand nach oben recken und lauthals die Frage-Antwort-Spielchen begleiten: "Kiel is real!", klar. Wie sonst nur von 2raumwohnung-Konzerten bekannt, bevölkern zudem etwa 30 Ladys aus dem Publikum zu einem Song tanzend die Bühne.

Die Probleme mit dem Sound, der bei den Vorbands teilweise übersteuerte und die Shows etwas in Mitleidenschaft gezogen hatte, sind behoben. Doch die Tendenz der letzten Veröffentlichungen spiegelt auch das aktuelle Programm wider: Die leicht federnden Beats mit eingängigen Basslinien und geschmackvollen Samples sind beinahe aggressivem Songwriting gewichen. Auch live versprühen De La Soul nicht mehr die Gelassenheit der frühen Studioproduktionen, sondern wirken rauer und massiver, verstärkt durch die Lautstärke. Doch es ist die tiefe und aufrichtige Liebe zum HipHop, die bei den drei Sympathieträgern aus jeder Zeile und jedem Geräusch ihrer "Human Beat Box" spricht. Ihr Reimfluss ist so melodisch, so ungezwungen und natürlich, dass Ring Ring Ring (Ha Ha Hey) nach 90 Minuten im Zugabenblock zum Selbstläufer gerät: "Hey, how ya doin`...". Schön, dass De La Soul es nach Kiel geschafft haben. Schön, sie gesehen zu haben.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 08.09.2005 01:00