Deichkind auf der AStA FH-Party „Northern Lights Experience III“

Von Henrik Drüner

 

Die Crew vom Deich ist in der Stadt! Auf der AStA FH-Party „Northern Lights Experience III“ in der Traum GmbH spielen die Deichkinder Malte, Buddy und Philipp am Mikro die Trumpfkarte des Abends aus, während DJ Phono die Beats vom Plattenteller serviert.

Ein Rückblick: Malte Pittner und Philipp Grütering musizieren in Jazz-Funkbands oder legen als DJs Rare Groove-Stücke aus den Sechzigern und Siebzigern auf, bevor sie 1997 als HipHop-Formation Deichkind losziehen. Erste Auftrittsversuche geraten zu ernüchternden Erlebnissen: Pinneberg, acht Zuschauer. Richtig Fahrt nehmen sie erst auf, als zwei Jahre später Bartosch „Buddy“ Jeznach und Sebastian „Sebi“ Hackert als Toningenieur und Produzent auf den Deichkind-Schlepper springen. Die beiden veröffentlichten Alben „Bitte ziehen Sie durch“ (2000) und „Noch 5 Minuten Mutti“ (2002) etablieren die Bergedorfer Jungs, die mittlerweile Hamburg-City bewohnen, in der ersten Liga der deutschen Reimkünstler.

Sie heben sich durch witzige, wortgewandte und ironische Texte von der großen Masse ab, doch eine stilistische Verwandtschaft zu Fettes Brot, Blumentopf oder Dendemann scheint oft und gerne durch. „Wir haben eine kleine Sitzecke im Bus, in der wir gemütlich chillen können. Da machen wir uns dann Notizen, und gehen später, wenn wir alles verdaut und verarbeitet haben, ins Studio und machen daraus neue Songs“ beschreibt Buddy den Prozess des Songwritings. Deichkind überraschen mit steilen Tanznummern, die irgendwo zwischen trashigen Electro-Sounds, hymnischen Discoeinflüssen und der Keimzelle HipHop liegen. Im Grunde wird jeder Stil verbraten, der nicht schnell genug auf die Bäume kommt: „Wir spielen gerne mit Klischees, aber wir sind keine Moralisten.“

Mit ihrer neuen Single „Electric Superdance Band“ gingen die vier Hamburger beim „Bundesvision Song Contest 2005“ im Februar für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern an den Start. Mit einem Auftritt, der vor allem optisch herausstach: goldene Kutten, reflektierende Astronautenanzüge und obendrein eine außergewöhnliche Performance. Das Ergebnis ist bekannt: Die Welt und das deutsche Fernsehpublikum waren noch nicht reif für diesen Sound. Doch das im Juni folgende Album wird wieder beweisen, dass Deichkind sowohl musikalisch als auch auf der Bühne eine der vielseitigsten, deutschsprachigen HipHop-Acts sind. Mit ihrem derben Humor sorgen sie für 100% Party-Action – wollen jedoch nicht auf den Spaß-Faktor reduziert werden: „Natürlich haben wir Spaß. Aber der Begriff 'Spaß-Rapper’ ist doch irgendwie daneben.“

Mittwoch, Traum GmbH, Beginn 21 Uhr. (Party auf vier Floors; live: Deichkind, Stulle, Soul Surfer (Schweden), Andromeda (Schweden) - DJs: Feuerhake (HH), Kai Hawaii & Sir Round, Turnstyle & Greg, Copilot & Jörg)