Wieder vereint und auf Tour: die legendären Digable Planets aus New York

Drei Protagonisten der goldenen HipHop-Ära in den frühen Neunzigern geben sich die Ehre und sind zum ersten Mal auf Deutschland-Tour: Digable Planets. Das Trio aus dem Dunstkreis des New Yorker Live-Clubs "Giant Steps" gilt als Amerikas Antwort auf den britischen Acid Jazz in den Jahren zuvor. Und tatsächlich schlagen Ishmael "Butterfly" Butler, Mary Ann "Ladybug" Vieira und Craig "Doodlebug" Irving gekonnt in diese stilistische Kerbe: Die HipHop-Abteilung sorgt für den durchgehenden Beat, Soul liegt in den Kehlen der Sänger, und Samples betonen die jazzige Attitüde des Songwritings. Ihr Debütalbum Reachin mit dieser homogenen Mischung wurde 1993 ein absoluter Erfolg und brachte den Digable Planets als erster HipHop-Gruppe einen "Grammy" ein.

Nicht nur der Hit Rebirth Of Slick (Cool Like Dat) bewies, dass sie immer deutlich musikalischer als der Rest der Szene waren. Beeinflusst von psychedelischem Jazz und ausgestattet mit explizit politischen Texten, brachten die New Yorker eine frische Note in das Genre - weit entfernt von Gangsta-Rap und sexistischen Songtexten. "Ich springe lieber in andere Charaktere und inszeniere Szenarien, um etwas zu illustrieren. Dadurch wird der Song dreidimensional, und ich urteile nicht mehr auf die herkömmlich platte Art und Weise", betont Butler den individuellen Prozess beim Verseschreiben. Während die Raps und Rhymes die Tradition von Gil Scott-Heron oder den Last Poets weiterführen, basieren die Samples zumeist auf alten Jazz/Soul-Nummern von Art Blakey, Sonny Rollins und Curtis Mayfield.

Unter denselben musikalischen Vorzeichen folgte 1994 Blowout Comb, das beinahe noch ausgeglichener und sinnlicher als der Vorgänger klang; vor allem in den lasziven Gesangsduellen zwischen Butterfly und Ladybug, die wie Eartha Kitt zu säuseln vermag. Akzentuierte Midtempo-Beats und Funk-Elemente brachten den Groove, die sparsam jazzige Instrumentierung, die Laune und die zurückgelehnten Raps den Balsam bei 9th Wonder oder Graffiti. Wegen kreativer Differenzen trennte sich das Brooklyn-Kollektiv 1995, so dass in der Folgezeit alle drei eigene Projekte verfolgten. Nach fast zehn Jahre haben sich Digable Planets zusammengerauft und stehen wieder gemeinsam auf der Bühne und im Studio für neue Aufnahmen.

Im Luna unterstützen die Westküsten-Rapper Long Lost Relative feat. Werd (Berlin) & Thailan sowie der Kieler DJ Philstarr33 diese Show der Sonderklasse. Ein Pflichttermin für alle HipHop-Jünger, die De La Soul, A Tribe Called Quest oder die Jungle Brothers zu schätzen wissen - und nicht nur für die ein Muss!


Dienstag, 21 Uhr, Luna

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 04.02.2005