Digable Planets im Luna



Auf ihre T-Shirts haben sie drucken lassen: "Digable Planets - The Reunion". Doch bei ihrem Konzert im Luna bekommt man eher das Gefühl, als sei das Trio nie weg gewesen, als wäre die Zeitspanne von zehn Jahren nach ihrem zweiten Album Blowout Comb und der anschließenden Trennung unbemerkt vorüber gegangen. Digable Planets steht weiterhin als Synonym für allerfeinsten, jazzigen HipHop. Bevor die New Yorker die Bühne entern, wärmen Long Lost Relative mit der entspannten Variante des Sprechgesangs.

Deutsche Schüttelreime des Berliners Werd, Violinenbegleitung sowie gut abgehangene Beats sind melodisch geprägt und stimmen die zahlreichen HipHop-Headz ein auf späteren Hochgenuss. Thailan - schüchtern und grazil wie ihre Stimme - gibt am Mikro dem Auftritt noch eine besondere Note. Systemcheck der Roadcrew, steady, go: Ishmael "Butterfly" Butler, Mary Ann "Ladybug" Vieira und Craig "Doodlebug" Irving starten voll durch. Zum Auftakt rappt das New Yorker Trio It's Good To Be Here und jeder im Publikum denkt sich schon zu diesem Zeitpunkt: meine Worte! Seitlich von ihrem DJ, der das Fundament für die Verbalergüsse liefert, sind die drei auf der kleinen Bühne trotz spärlicher Bewegungsfreiheit sehr agil.

In wechselnden Formationen geht es durch das Repertoire ihrer beiden Studioalben, das trotz des Wiedererkennungswerts immer noch frisch klingt: Nickel Bags, 9th Wonder oder Graffiti. Blickfang "Ladybug" agiert zugleich sexy und extrovertiert, nimmt mit sympathischer Koketterie alle Anwesenden mit einem Streich. Doch sie punktet nicht nur äußerlich, sondern bildet neben den beiden männlichen MCs eine optimale stimmliche Ergänzung. "Butterfly" - mit dem XXL-Outfit eher bullig als einem Schmetterling ähnlich - erntet Szenenapplaus für sein Solo, ebenso der DJ für die fingerfertigen Scratch-Einlagen.

Die Bässe der Songs sind entspannt und nicht so massig wie etwa bei Planet Asia im vergangenen November an gleicher Stelle, gleichwohl musikalischer: Statt eines digital tiefergeschraubten Magenreizes wirkt der Tieftöner wie ein jazziger Kontrabass mit analogem Kitzel. Zusätzlich erweitern Saxofon (bei Space Is The Place), gedämpfte Trompete oder Querflöte den Sound.

Die HipHop-Band The Roots arbeitet nach einem ähnlich erfolgreichen Prinzip, indem sie ein instrumentales Live-Moment integriert und so blecherne Konservenmusik verhindert. Als Abschluss des einstündigen Programms darf der Hit Rebirth Of Slick (Cool Like Dat) nicht fehlen, bevor die drei Zugaben noch einmal sämtliche Qualitäten von Digable Planets verdeutlichen: HipHop, der sich benachbarten Genres wie Funk, Soul oder Jazz öffnet, deren Elemente symbiotisch einbindet - und gewinnt. Wiedervereinigungen können so schön sein.

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 10.02.2005