Hoher Spaßfaktor: DJ Malente alias Christoph Göttsch legte im Vinyl auf

 


Eigentlich wollte Jette längst im Bett sein, doch DJ Malente lässt sie nicht gehen. Es ist 2.30 Uhr in einer Freitagnacht in Kiel. Also noch einmal zurück auf die Tanzfläche, noch einmal die massiven Beats spüren. Sie weiß von ihren "Muschipop"-Abenden selber gut genug, was ein DJ hinter dem Pult anstellen muss, damit der Laden brummt. "Das geht enorm nach vorne", so ihr Lob in Richtung Diskjockey, der, selbstredend, aus Malente stammt.

Vielleicht ist es die autobiographische Textaussage in einem seiner neuen Songs Dancefloor Whore, die Christoph Göttsch alias Malente so beliebt macht – bei Gästen seiner DJ-Sets ebenso wie bei Kollegen: "I act, play, shine and freak for the people on the dancefloor." Es spiegelt die absolute Hingabe, mit der Göttsch seine inzwischen weltweite Wochenendaktivität lebt. Ohne Scheuklappen, Sicherheitsnetz oder Bremsschirm, zwischen debil grinsenden Breakbeats und Future Funk. Ursprünglich war die Veranstaltung mit dem Münsteraner als Aushängeschild am Strand geplant, open-air und voll hedonistischer Attitüde. Doch im Vorfeld entschied man sich, ins Vinyl umzuziehen. Im Nachhinein eine weise Entscheidung angesichts des Regens und der herbstlichen Temperaturen vor der Eingangstür.

In einem Münsteraner Studentenwohnheim bastelte Göttsch 1998 unter seinem damaligen Pseudonym Gautsch Ravemädchen zusammen: eine ironische Hymne, ein kleiner Hit und sein Einstieg in das Produzentenleben. Seitdem festigte er mit geschmackvollen Samples, pumpendem Bass, knackigen Bläsern und einem hohen Spaßfaktor seinen Status, verewigt auf den Alben The Spirit Of Malente, No Risk No Funk und dem aktuellen Rip It Up. Zudem spricht die lange Liste seiner Remixes für Der Plan, DJ Friction, Bob Sinclar, Frank Popp Ensemble oder Rocko Schamoni für seine stilistische Offenheit über alle Genregrenzen hinweg.

Im Vinyl dröhnt der Bass mächtig aus den Boxen, die Nasenflügel vibrieren bei derartigen Frequenzen. Göttsch schraubt die Töne schrittweise höher, reizt die Spannung aus, bis endlich die Erlösung in Form der nächsten Bass-Sequenz erfolgt. Bei aller brachialen Dynamik behält Malente immer ein Quäntchen Funkyness in seinem Mix, der deshalb interessant bleibt, weil keine Monotonie aufkommt. Die Tanzenden sind gefordert, dürfen nicht nur stumpf abfeiern, sondern müssen auf Breaks und Übergänge achten.

Ein Crossover aus BigBeat, Rockgitarren und schrillem Acid-Fiepen, der nicht aufgesetzt wirkt, sondern einen Teil seiner Musikanschauung verkörpert: Malente ist kein Purist, auch nicht beim Material, indem er sowohl Vinyl als auch CDs auflegt. Die Resonanz in dieser Nacht empfindet der Privatmensch Göttsch, gelinde gesagt, als mäßig. Doch der DJ Malente macht weiter, lässt unbeirrt die Platten rotieren. Wie gesagt: "I act, play, shine and freak for the people on the dancefloor."

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 30.08.2005 01:00