Doc Scott legt am Freitag im Luna auf

 

Für Doc Scott, einen der besten Drum'n'Bass-DJs überhaupt, ist der Musikstil wie ein Jungbrunnen: "Es konserviert all jene Gefühle, die ich in jungen Jahren durchlebt habe. Ich verspüre immer noch die enorme Leidenschaft zur Musik und auch die Begeisterungsfähigkeit. In Drum'n'Bass habe ich etwas gefunden, was mir ungeheuer viel Spaß bereitet und mich jung hält." Unzählige Veröffentlichungen markieren den Werdegang des Briten aus Coventry, der bereits mit 18 Jahren begann, dieses neuartige musikalische Terrain zu bearbeiten.

Ein Pionier mit DJ-Sets von höchster Güte und einer abwechslungsreichen Plattenselektion: "Ich versuche, Drum'n'Bass in seiner ganzen Vielfalt zu repräsentieren. Wenn man die ganze Zeit den gleichen Stil spielt, geht die Wirkung verloren. Nach einer harten Platte muss man etwas Gegenteiliges spielen, um einen Kontrast herzustelle, das ganze Set wie eine Reise aufbauen, von Station zu Station." Diese stilistische Offenheit gerät bisweilen zum Leidwesen seiner Kollegen: So mancher MC schmiss da schon wutschnaubend das Mikro hin, nicht klarkommend mit der Mischung aus minimalistischem Funk, voller Breitseite und elektronischer Feinfühligkeit.

Eine entscheidende Phase war, als er 1994 zusammen mit Goldie das genreprägende "Metalheadz"-Label gründete. Doch Doc Scott ist – im Gegensatz zu Goldie – dem Underground immer eng verbunden geblieben und einer der DJs, die den Abend in einem intimen Club gegenüber den Raves oder Festivals allemal vorziehen. "Der Höhepunkt der Raves lag zwischen 1990 und 1994.

Die heutigen Veranstaltungen sind nur armselige Plagiate der guten alten Zeit." Von Beginn an äugte Doc Scott mit kritischem Blick hinter den Vorhängen der Weltbühne hervor. Leicht genervt vom Mythos 'Soundteppichverkäufer mit Esoterik-Kante' dreht er sich eher ab und geht zum Fußball. Sein anderes Label "31 Records" besticht nicht gerade durch einen kontinuierlichen Output, wenn man bedenkt, dass seit der ersten Veröffentlichung im Jahre 1994 unter seinem Synonym Octave One bis heute gerade 15 Singles veröffentlicht wurden. Doch gerade die Auswahl der Produzenten mit Optical, Marcus Intalex, Total Science, Digital, Dom & Roland beweist, dass Doc Scott ein glückliches Händchen besitzt – sozusagen 'liquid fingers'.

Jeder halbgare Schlafzimmer-DJ kann sich im Luna einen Eindruck davon verschaffen, wie es klingen kann, wenn eine Ikone wie Doc Scott demonstriert, welche Platte in die nächste und vor allen Dingen zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Tempo eingeschleift werden will. Das Besondere an Drum'n'Bass: "Diese Musik bricht einfach viele technische Regeln: Alles muss im roten Bereich sein!" hd

Freitag, 23 Uhr, Luna (local DJs: Subz, Matik, Pat & MC Upper Cut).

nordClick/Kieler Nachrichten vom 27.10.2004 01:00