Editors auf der delta radio-Bühne in der Halle400

Von Henrik Drüner

 

Das wollten sich auch die Musiker von New Model Army nicht entgehen lassen: Nach dem Ende ihres Konzerts hatten sie es ziemlich eilig, um rechtzeitig in die Halle400 zum Auftritt von Editors zu kommen. Sie bestaunten eine Band, deren Mitglieder ihre Söhne sein könnten, und die sich als einer der Newcomer 2005 entpuppte. Völlig zu Recht.

Trotz des furiosen Debütalbums „The Back Room“ muss das Quartett aus Birmingham im englischen Nordosten hart für seinen Bekanntheitsgrad kämpfen. Selbst das Programmheft kündigte sie als The Editors an - wahrscheinlich mitgerissen von der Flut an „The”-Bands, die in den vergangenen zwei Jahren angespült wurde. Ein Bass (Russell Leetch) in stoischen Achteln, repetitive Gitarrenläufe, ein treibender Schlagzeug-Beat (Ed Lay) und verhallter Gesang, alles tief aus den Achtzigern ausgekramt - so präsentierten sich Editors und perfektionierten den Mix aus Rock und Tanz.

Im Mittelpunkt stand Sänger und Gitarrist Tom Smith, der die Bühne ausgiebig für sein exaltiertes Gebaren nutzte: Der Pretty-Rock-Boy hantierte mit dem Mikroständer, entfremdete die Gitarre zur Maschinenpistole, erlief sich Kilometergeld, griff sich ständig ungelenk ins Haar. Aber das hatte alles seinen Sinn. Editors` Mut zum atmosphärischen Pomp und zur großen Pop-Geste bekam so einen optischen, melodramatischen Aufhänger, zumal der Gesang teils entrückt, teils klagend wirkte. Zehn der elf Songs des Albums spielten sie, erweitert durch B-Seiten und eine Coverversion von Talking Heads’ „Road To Nowhere“. Hier versuchte Smith, dem Song etwas Ernsthaftigkeit zu verleihen, während im Hintergrund Chris Urbanowicz den Schlagzeuger mit Wasser bespuckte und seine Gitarre zu immer neuen Höhen trieb. Es sind eben junge Typen, die in der selbsternannten „Dark Disco“ ihren Spaß haben und trotzdem Herzen brennen lassen.

Die Zuschauer in der Halle400 - immerhin zu zwei Dritteln gefüllt - zeigten sich hingerissen von Songs wie „All Sparks“ oder dem melodieseligen „Blood“, bejubelten den hymnischen Hit „Munich“ voller Dringlichkeit, Leidenschaft, Kraft und dem mahnenden Songtext: „People are fragile things, you should know by now / Be careful what you put them through”. Sogar die Balladen zeigten mit verhallter Stimme Wirkung, beispielsweise „Camera“, bei der sich Smith am Keyboard im Scheinwerferlicht wand, so wie es auch Chris Martin von Coldplay zelebriert. Zu deren Popularität ist es zwar noch ein weiter Weg, aber der Anfang ist gemacht.