Eek-A-Mouse und Vitamin X in der Pumpe überzeugten in der Pumpe


Mit lebenden Legenden ist es so eine Sache. Wenn Musiker schon zu Lebzeiten derart emporgehoben werden, verkommt der Konzertsaal oftmals zu einer Pilgerstätte, an deren Eingang jegliche Form von kritischer Objektivität abgelegt wird. Ripton Joseph Hilton alias Eek-A-Mouse gehört laut Tourplakat auch zu dieser erlesenen Spezies: "Jamaica's Living Legend". Doch der Mouseketeer nimmt das alles nicht so ernst – am allerwenigsten sich selbst.

Bevor er die Bühne betritt, lässt sich Eek-A-Mouse lange bitten. Mit "Here comes the crazy Jamaican" stellt er sich vor und taucht sofort in den stetigen Schunkelrhythmus ein, den seine Begleitband bereits eine halbe Stunde vorbereitet hat. Vitamin X kommen ursprünglich aus Ghana, Südafrika, Barbados und der Elfenbeinküste, wohnen mittlerweile jedoch in Kiel, Bremen, Berlin, Aschaffenburg oder Osterholz-Scharmbeck. Im Laufe von über 20 Jahren hat sich die Formation zu einer renommierten Band im Reggae und afrikanischer Musik entwickelt. Zu Recht: Ein Sound wie auf CD, mit perfekt fünfstimmigem Gesang, besonders bemerkenswert beim Gitarristen. Die Zuschauer im gut gefüllten Saal der Pumpe gehen mit, verinnerlichen den Rhythmus, der so viele – oft klischeehafte – Assoziationen hervorruft. "Girl, your love is like wild fire, spread in all over the world" heißt es in einem der Texte, die so oft die Bewegung von "One Love - One Unity{rdquo} verdeutlichen.

Bei Eek-A-Mouse klingt das etwas anders. Das Mikrofon ist mit reichlich Delay-Effekt belegt, und in Verbindung mit seinen trägen Bewegungen und dem gedrosselten Tempo kommt beinahe Dub-Feeling auf. Ganz entspannt und entspannend, ein wenig eintönig vielleicht und geradezu zurückhaltend für seine Verhältnisse. Songs wie Terrorists In The City oder Wa Do Dem zeugen von seiner Klasse und zehren von den verschiedenen Stimmvarianten: dunkel im Sprechgesang, weich im Melodiemodus und quietsch-grell in der Kopfstimme.

In diesem Wechsel reiht er auch die Nonsens-Silben aneinander, die, als sein Markenzeichen, wieder Sinn ergeben: ein unerreichter Singsang aus "bangdangdidilibangdang"-Lauten. Unerreicht auch die Penetranz, mit der Eek-A-Mouse etwa 47 Mal rhetorisch fragt: "How ya feelin'?", knapp gefolgt vom cowboy-esken Ausruf "Yieeeee-haaa!" Von Vitamin X wurde ihm ein afrikanischer Ehrenname verliehen: King Kosoko. Ein König, der im ersten Zugabenblock den Dandy mimt – mit der Statur eines Footballspielers. Doch Sport scheint nicht sein größtes Faible zu sein, wenn er mahnt: "Don't drink and drive", um gleich nachzuschieben, "but it's cool to smoke and drive". Eine lebende Legende mit ganz menschlichen Lastern.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 17.10.2005 01:00

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