Egoexpress setzen auf ihrem neuen Album verstärkt auf Techno statt auf Pop-Appeal

 


Anfang des Jahres war Mense Reents als Solist im Luna, jetzt wird der Hamburger mit Jimi Siebels als Egoexpress wieder den Kieler Tanzflur rocken. Das neue Album des Duos, Hot Wire My Heart, erscheint im August, das nach vier Jahren Veröffentlichungspause viele Begehrlichkeiten weckt. Disco und Techno, Krach und Wohlklang: Egoexpress zelebrieren aufputschende, elektronische Tanzmusik, wie immer – nur noch mehr. Szenen-Mitarbeiter Henrik Drüner sprach mit Mense Reents.

Wo siehst Du Unterschiede im Songwriting zwischen deinen Solosachen und Egoexpress?

Reents: Bei mir geht es eher um monotone Rockmusik mit Überschneidungen zur Elektronik, vergleichbar mit Neu!. Der Sound ist ja beinahe LoFi, während Jimi sehr auf Bässe und Feineinstellungen achtet. Egoexpress ist zudem noch elektronischer und technoider. Wir sind zwei Pole auf der Bühne, wodurch wir mehr improvisieren können. So sehen die Leute, dass live etwas passiert – zumindest mehr als bei einem DJ-Set.


Der Reiz von Egoexpress liegt in der Reibung klarer und unsauberer Elemente. Die kommende Platte tendiert stark zur rauen, melodiearmen Seite. Eine bewusste Entscheidung?

Bewusst eigentlich nicht. In der Clubmusik beeinflussen und inspirieren sich die Künstler alle gegenseitig. Der eine reizt eine Idee weiter aus, ein anderer formuliert es subtiler. Die rückwärts gespielten Synthesizer wie bei Rocker zum Beispiel benutzen momentan sehr viele. Unsere erste Single Knartz IV (in den Deutschen Club Charts auf Position eins eingestiegen, die Red.), hat zwar nicht dessen Hit-Charakter – aber wir sind fetter!


Also wollt ihr eher Tracks als Songs?

Ja, diesmal hatten wir keine Lust auf ElektroPop-Songwriting. Viele Melodien wurden im Laufe der Produktion gelöscht – und damit auch der Pop-Appeal von früheren Songs wie Weiter. Stattdessen haben wir uns verstärkt in Techno eingearbeitet, was uns gerade aufregender erscheint; vielleicht auch deshalb, weil wir ständig Live-Gigs gespielt haben. Eine abstrakte Herangehensweise mit wenigen Melodien, die für uns aber so Sinn macht. Wenn ich Pop will, höre ich mir lieber eine Beatles- oder Beach Boys-Platte an!


Der erste und letzte Song sind im Vergleich dazu aber sehr ruhig...

Ja, das ist die Klammer des Albums. Hot Wire My Heart soll auch zu Hause funktionieren, nicht nur eine Tracksammlung für den DJ im Club darstellen. Deshalb auch die kleinen Interludes und verspielte Elemente, um als Hörer zwischendurch zur Ruhe zu kommen. Der Titelsong war ein Schnellschuss, der in der Nacht nach dem Mastering entstand und der sehr direkt und emotional wirkt – ganz so wie die früheren Egoexpress.


Kommen im Luna auch die neuen Stücke zum Einsatz?

Klar! Etwa die Hälfte ist vom neuen Album, aber die Klassiker wie Telefunken oder Weiter bringen wir immer noch gerne.

 

Heute, Luna, 23 Uhr (Support: Flurpatrouille/Flensburg)

nordClick/Kieler Nachrichten vom 17.06.2005 01:00