Egoexpress im Luna - Ausnahmezustand bis zur Ekstase pur

Von Henrik Drüner

 

Was soll man schreiben, wenn nach dem Auftritt das T-Shirt schweißnass am Körper klebt, die Stimme heiser ist und die Ohren klingeln? Am besten, dass das T-Shirt schweißnass am Körper klebte, die Stimme heiser war und die Ohren klingelten. Egoexpress trieben im Luna das Publikum zum körperlichen Ausnahmezustand. Kompakt, unnachgiebig und erfüllend.

Vielleicht mag es auch durch den Kieler Woche-Auftakt begünstigt worden sein - aber was ab zwei Uhr losbrach, hatte für hiesige Verhältnisse Seltenheitswert: Es herrschte Ekstase pur, schon bei dem kleinsten Anzeichen einer Steigerung, einer neuen Basslinie oder anderen antreibenden Boten. Hände, Pfiffe, Jubel. Der Auftritt von Mense Reents und Jimi Orgl geriet so zu einem Selbstläufer, weil das fühlbare Aktionspotenzial im Publikum derart ausreichend vorhanden zu sein schien, um eine mittlere Großstadt zum Leuchten zu bringen. „Aranda“ sollte als Einstieg - ganz wie auf der kommenden Platte „Hot Wire My Heart“ - der vorerst einzige Track mit ruhigeren Passagen bleiben. Danach wurde die Schubrakete gezündet: „I’m In The Army Now“, „Dumkraft” oder „Everybody”…oh my god, it’s techno music! Egoexpress schafften die Gratwanderung, das neue Material in ihr Set einzuflechten, ohne dass Berührungsängste entstanden oder die Tanzfläche lahmte. Mit Zeichen und Absprachen organisierten sich die beiden Hamburger an den Reglern, wurden spontan Parts verlängert oder eingeschoben.

Man musste nicht nachvollziehen können, wie gerade der Klang entstand und welcher Anteil davon wirklich auf der Bühne bearbeitet wurde beziehungsweise aus der Konserve kam - die Hauptsache war, wie es wirkte. Nicht nur „Hot Wire My Heart“ oder die aktuelle Single „Knartz IV“ reizten mit fiependen Frequenzen bis zum Anschlag die Dynamikkurven aus: bestechende Live-Qualitäten eines Produzentenduos, dem auch Pannen unterliefen und unterlaufen durften, wenn bei dem Klassiker „Weiter“ inklusive Dirk von Lowtzows Slogan „Man muss immer weiter durchbrechen“ zu Beginn kurzzeitig der Sound ausfiel. Die Version des Kolossale Jugend-Songs „Maul” beendete das Clubspektakel ganz im Stile von Egoexpress, rau und kompromisslos. Reents: „Merci beaucoup! Ich hoffe, ihr hattet so viel Spaß wie wir“ - Kiel: definitiv.