ensemble reflexion K

 

Eckernförde – Es ist Konzept und gleichzeitig Trumpf des ensemble reflexion K, in seine Konzerte räumliche, szenische und interdisziplinäre Aspekte mit einzubeziehen. Unterstützt von Videos der Medienkünstler Ralph Weißleder und Matthias Meyer, inszenierte das neunköpfige Ensemble für Neue Musik die Veröffentlichung ihrer aktuellen CD mit Werken von John Cage, Elmir Mirzoev und dem Leiter und Cellisten Gerald Eckert. Ort: die beinahe unbeleuchtete St. Nicolai-Kirche in Eckernförde. Gut gefüllte Reihen wurden umrahmt von mehreren Musikerpositionen, die im Kirchenschiff einen Klangraum bildeten.

Heftige instrumentale Ausbrüche zwischen Momenten der geformten Stille und flirrendem Weißen Rauschen ergaben sich in Eckerts „Fäden“ für Flöte, Harfe, Akkordeon und Violoncello. Im Spannungsfeld von Klangentstehung und der Entfaltung des vollen Tons entstanden vielfältige Atmosphären; ungewohnte Klänge durch mäanderndes Gleiten, Kratzen und Tüpfeln, die jedoch die Wahrnehmung sensibilisierten. Eine Meditation über Tod und Transzendenz durchzog Elmir Mirzoevs „Mumienportraits“, erzeugt durch Tonbandaufnahmen.

Erstmals in Eckernförde mit Videosequenzen aufgeführt, verdichtete sich mit Hilfe der Filmszenen aus „Lost Highway“ von David Lynch oder maritimen Naturdokumentationen auf zwei Bildschirmen im Altarraum die musikalische Spannung. Teilweise wirkte das Zusammenspiel symbiotisch, teilweise vermochte sich die Aufmerksamkeit nicht für einen der Sinneseindrücke zu entscheiden. Doch diese Ambivalenz zwischen Hören und Sehen ist gewollt. Nur so entstehen Perspektivverschiebungen und Doppelschichtigkeiten, beispielsweise in „Schächte – Les nuages d’autumne“.

Nach der Pause beeindruckte John Cages „Ryoanji“ aus dem Jahr 1984, beim ensemble reflexion K interpretiert durch Sopran, Flöte, Harfe, Violine, Violoncello, Kontrabass, Schlagwerk und Video. Inspiriert vom Zen-Garten in Kyoto und dessen 15 scheinbar wahllos platzierten Steinen, erzielte die ungewohnte Raumanordnung in der St. Nicolai-Kirche eine kongeniale Wirkung. Besonders viel Applaus erhielt Kirstin Maria Pientkas feinfühliges Spiel in „vom Innen – Körnung“ für Viola solo. Nach und nach kristallisierte sich eine Struktur aus der monotonen Fläche, provoziert durch diffizile Fingersätze, deren Greifzeit die erwünschte Körnigkeit erzeugte.

Zum Abschluss bewies die „Studie über Nelly Sachs“ von Gerald Eckert (2004/08), dass selbst einzelne Zeilen aus dem Spätwerk der Lyrikerin noch enorme Sprachkraft verströmen. In Komplettbesetzung agierend, kitzelte Katia Guedes (Sopran) aus den Silben subtile Nuancen heraus. Entblößt und dennoch aussagestark – spannende Musik zwischen Experiment und Poesie.