Erik & Me in der Schaubude: Zeit zum Ausatmen

Von Henrik Drüner

 

Vielleicht sind es diese kurzen Momente, die den Zauber ausmachen. Augenblicke, in denen nur Saiten und Stimmbänder zärtlich beansprucht werden und die Schaubude in einen Entspannungstempel verwandeln. Erik & Me aus Berlin beziehen ihre Stärke vor allem durch die musikalische Ruhe, von der das Konzert getragen wird. Zeit zum Ausatmen, Zeit zum Seele baumeln lassen.

Wie beim letzt jährigen Auftritt im Subrosa schwelgt das Quartett um Sänger und Gitarrist Erik Lautenschläger erneut in optimistischer Melancholie. Alle Blicke sind gebannt zur Bühne gerichtet, Gespräche werden eingestellt, denn die feinsinnigen Indie-Pop-Songs nehmen ein. Einerseits passiert wenig auf der Bühne, gibt es keine Showeinlagen, besondere Outfits oder Agilität. Andererseits aber kommt doch so viel an Dynamik, Wärme und Emotionen herüber, dass es einfach bezaubernd wirkt. Mit geschlossenen Augen besingt Erik Lautenschläger - meist zur akustischen Rhythmusgitarre - Weltbewegendes aus seiner ganz privaten Welt. Leider versteht man die Texte nur brockenweise, denn sicher ist: Lautenschläger nimmt Teil an seinen Texten, zelebriert allerfeinsten Seelenstriptease. Die Affinität zu Coldplay schimmert bei einigen Songs unverkennbar durch das lichte Arrangement, besonders wenn seine Falsettstimme über dem instrumentalen Bandsound zu schweben scheint. An der Sologitarre setzt Dave Bennett flirrend tremolierende Melodiemarken, die Harmonie tragende Funktion innehaben. Unterstützung bekommt die weiche Klangfarbe von Bassist Madze Peng vor allem dann, wenn er den Kontrabass mit Bogen bearbeitet. Er ist der Multiinstrumentalist, der „alles bis auf Schlagzeug“ spielt – an dem sitzt Merle Ehlers, die erst Anfang des Jahres zur Band gestoßen ist, durch zahlreiche Konzerte aber bereits voll integriert wurde.

Allesamt sympathische Musiker, die mit behutsamen Momenten und einer sonnigen Breitwand-Atmosphäre glänzen. Zwar drücken die balladesken Songs auch auf die Tränendrüse, aber sie vermitteln keine künstliche Aufgesetztheit oder eine geliehene Emotion, sondern verströmen eine selbst reflektierte Innerlichkeit. „The Son“ spielt mit südamerikanischen Elementen und schwermütiger Leichtigkeit, in den zahlreichen Zugaben bringt die Bottleneck-Gitarre Blues in die Schaubude. Die erste CD von Erik & Me ist aufgenommen, die nächste bereits in Arbeit, mit der eine Plattenfirma gefunden werden soll. Angesichts der feinsinnigen Musik sollte das eigentlich kein Problem sein.