Esbjörn Svensson Trio

 

„Jazz is not dead, it just smells funny.“ Dieser Spruch von Frank Zappa aus dem Jahr 1974 prägte lange Zeit das ambivalente Verhältnis von Musikern und Hörern zum Jazz. Aber es hat ein Umdenken stattgefunden, bei dem die Erfolge von Diana Krall, Norah Jones oder hierzulande Till Brönner erst der Anfang sind: Jazz wird immer populärer, der verstaubte Altherrenstatus gehört der Vergangenheit an und Nachwuchsmusiker widmen sich verstärkt dem vielfältigen Genre. „Die Glocke“ stellt sie in dieser Reihe vor.

Muskulös im dunklen T-Shirt, den Kopf kahl rasiert, auf der Bühne meistens mit Wasserflasche und Handtuch – Esbjörn Svensson macht eher den Eindruck eines Sportlers denn eines Musikers. Doch der schwedische Pianist kann mit seinem Trio zukunftsgewandtes Komponieren für sich beanspruchen: Schon das letzte Album „Seven Days Of Falling“ wurde mit Kritikerlob und Auszeichnungen nur so überschüttet. Das aktuelle Werk „Viaticum“ (ACT/edel Contraire) schließt nahtlos an den Erfolg an und macht das e.s.t. zu einem europäischen Aushängeschild im Modern Jazz.

Zu Beginn, Anfang der Neunziger, ließ sich Svensson durch Keith Jarrett, Charlie Haden, Chick Coreas erstes Trio mit Miroslav Vitous und Roy Haynes oder das Bill Evans Trio beeinflussen. „Einige Alben hatten wir daran gearbeitet, unseren eigenen Stil zu entwickeln. Heute sind wir vielleicht mehr beeinflusst von Radiohead oder Bela Bartoks Art des Komponierens“ verrät der sympathische 40-Jährige.

Sein Trio-Jazz - mit Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug) - zitiert bruchlos aktuelle Jungle-Beats und romantische TripHop-Experimente. Nach zehn gemeinsamen Jahren weiß das e.s.t. besonders live immer wieder mit elegischen Klangspielereien und packender Atmosphäre zu faszinieren. „Die experimentellen Effekte und Sounds sind für uns selbstverständlich. Aber die Elektronik ist nur Puderzucker – was zählt, ist die Interaktion der Musiker, das Timing.“ Vielleicht ist es auch die Sparsamkeit in der Wahl des musikalischen Ausgangsmaterials, was den besonderen Charakter der Musik vom e.s.t. ausmacht. Der Titelsong der Platte „Strange Place For Snow“ beispielsweise basiert nur auf fünf Klaviertönen, die leicht variiert und rhythmisch verschoben das ganze Fundament für eine luzide Klangmystik bilden. Denn das typische Jazz-Schema fällt bei ihnen weg: „Mit diesem 'Technik zeigen' in den Soli haben wir schon lange nichts mehr zu tun. In der klassischen Musik gibt es unglaublich viele verschiedene Formen: Sonate, Symphonie usw. Im Jazz dagegen immer nur das eine: Thema, Soli, Thema. Also, Jazz ist da echt langweilig.“

Ehrliche Worte eines Musikers, der trotz weltweiter Popularität weiß, was ihm wichtig ist: „Wir sind keine 20-Jährigen mehr, die denken, sie seien die besten Musiker der Welt. Wir haben Familien und Kinder, die uns immer wieder runter holen. Wenn wir nach Hause kommen, spielen wir mit ihnen Lego und bringen sie zu Schule. Ganz normale Typen, die ziemlich viel Spaß und Leidenschaft bei dem empfinden, was sie tun.“ Henrik Drüner

Das e.s.t. spielt am 25.4. live im Jovel, Münster