Das Hamburger HipHop-Ass Ferris MC kämpfte in der Pumpe

 


Er hat sich mit seiner großen Klappe einen Namen gemacht. Und auch wenn sich Ferris MC wie Knecht Ruprecht mit verbaler Rute durch die Songs pöbelt, so kämpft er doch für seinen eigenen Seelenfrieden. Beim Tourauftakt in der Pumpe zeigte das Hamburger HipHop-Ass, dass mit ihm weiter zu rechnen ist.

Zuvor versuchten zwei Acts, die Betriebstemperatur im Publikum für den Protagonisten anzuheizen: "Kenny" (Pat-Cash, Falk Hogan, DJ Strip-Teaz) sowie "JaOne und Twizzy" (feat. DJ Grau). Jeweils mit zwei Rappern am Mikrofon und einem Diskjockey, gekonnten Beats & Rhymes, aber ihrer Ansicht nach ohne die nötige Resonanz: "Wenn ihr so drauf seid, kommt Ferris gar nicht raus!" Doch der ließ sich nicht bitten, zog unter Fanfarenklängen auf die Bühne und mit "Wie ist mein Name?" gleich die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Unterstützt von JaOne und DJ Stylewarz ging es durch die Songs der vergangenen Veröffentlichungen (Im Zeichen des Freaks oder Ferris macht blau) und dem frisch in den Kasten gereimten Ferris MC-Album (Spieglein, Spieglein... und Was wäre wenn..?). Mit einer neuen Platte in den Startlöchern heißt es Präsenz in Konzerten zeigen. Im Bühnenhintergrund sollten dicke Gefängnisgitter noch das harte Image unterstreichen, doch von Skandalen oder Schlagzeilen gibt es wenig zu berichten. Ist Ferris, der selbsternannte "XXL-Junkie", im Grunde ein netter Junge im "Reimemonster"-Kostüm? Ein 31-Jähriger, der 2003 bereits seine Audiobiographie schrieb, da er jünger wirkt, aber eben auch wesentlich verlebter aussieht als seine Altersgenossen? Zumindest zeigte sich der Schelm in ihm, wenn bei den besonders derben Sprüchen ein verschmitztes Grinsen über sein Gesicht huschte.

"Wollt ihr abgehen?" – die angestachelten Fans schmissen Hände in die Luft, fingen sie wieder auf und ernteten dafür ein obligatorisches "Kiel, ihr seid'n wunderbares Publikum!" Nicht nur mit dem Whole Lotta Love-Sample auf HipHop-Fundament ließ es Ferris live erstaunlich krachen – auch ein Verdienst von Stylewarz: Sein langjähriger DJ bekräftigte mit druckvollen Beats, abrupten Breaks, einem ausgedehnten Scratch-Solo und viel Gefühl für den Flow, was für ein begnadeter Plattenreiter er ist. Im Zusammenspiel mit Ferris' bewährter, raffiniert- aggressiver Raptechnik ergab das ein überdurchschnittliches HipHop-Konzert – von Fertich MC keine Spur!

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 02.11.2004 01:00