Fettes Brot befriedigten in der ausverkauften Halle400 den Hunger der Fans

 


"Jahrelang war ich Rap ein treuer Begleiter, jetzt steig ich ihm einfach auf den Kopf" singen die HipHopper von Fettes Brot. Denn Doktor Renz, König Boris und Schiffmeister praktizieren nicht mehr ausschließlich HipHop.
Und sie haben von da oben beste Aussichten, auch in Zukunft ganz vorne mit dabei zu sein. Das Konzert in der Halle400 auf der Am Wasser gebaut-Tour 2005 bestätigte eindrucksvoll ihre anhaltende Popularität – nicht nur der Song Emanuela machte es möglich.

Alle Tickets waren bereits im Vorverkauf unter die Leute gebracht worden, die Halle entsprechend zum Bersten gefüllt. Das Münchener Duo Fiva MC & DJ Radrum hatte noch nicht einmal ihr Freestyle-Programm beendet, als das Publikum bereits ausgelassen feierte. Was eigentlich? Zwölfjähriges Bestehen der selbsternannten "Mutter aller Partybands"? Abi 2005? Zumindest herrschte Mordshunger auf fette Brote.

Das Hamburger Trio gab sich nach dem Tourauftakt in Lüneburg gelöst – in dem Wissen, dass es mittlerweile ein breiteres Spektrum abdecken kann als HipHop, nämlich auch Soul, Pop und Rock-Elemente. So erklärte sich auch die Aufstockung des Bühnenpersonals: Zusätzlich zum bewährten DJ exel.Pauly an den Plattentellern ermöglichte der erlesene Background-Gesang von J-Luv, Emel und Pascal Finkenauer vokale Fülle und Soli, AD alias Arne Diedrichson hantierte geschickt an Bass, Tasten und Gitarre. Wer nach den Jahren weiter in der ersten Reihe mittanzen will, braucht unbedingt eine Neuverortung. Ein Beispiel: Fettes Brot ganz ungewohnt mit Instrumenten beim Cover-Song Ich bin müde, im Original von Rio Reiser. Doktor Renz, König Boris und Schiffmeister wirkten nicht mehr ganz so nassforsch, doch der Spaß, den sie am Mikro mit ein wenig mehr Ernsthaftigkeit verbreiteten, war bei jedem Song noch immer spürbar. Eben Lausbuben-Romantik von Anfangdreißigern.

Das Publikum ging steil, besonders bei den Klassikern Definition von Fett, Mitschnacker oder Nordisch by Nature in der Kurzversion. Hauptsache gespielt. Die Texte kamen auch noch auswendig über die Lippen. Während Sauerstoffgehalt in der Luft und Hemmungen fielen, stiegen Stimmung und Temperatur, mündete eine fast perfekte La Ola-Welle des Publikums in die Single Emanuela. Ein Gassenhauer mit Hang zur Ballermann-Peinlichkeit, aber ein Hit, der wie Jein den Mariachi-Sound pflegt. "Schwule Mädchen, Sondereinheit, schwule Mädchen, Kampfeinsatz"...Fettes Brot deklarierten sich als das dritte Geschlecht in der HipHop-Community, als eben nicht die harten Gangster. Aber genau deshalb werden sie geliebt. "Wo sind meine Leute da draußen?" Kiel ist mit den Broten – und bleibt ihnen "troy". Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 15.04.2005 01:00

http://www.cl-k.de/service/Juli05_06.htm