Mit dem Segen von Gigolo: „Gigolo Night Club“ im Luna mit Herman Schwartz

 

Seit 1999 ist Herman Schwartz, Kieler DJ und Produzent, der nördlichste Vertreter vom Berliner Label Gigolo Records. Mit seinem Debüt-Track „Nothing To Lose“ trägt er zur aktuellen „New Gigolo Compilation 9“ bei. Am Freitag wird der 34-Jährige im Luna Club eine treibende und experimentelle Mischung aus verschiedensten modernen Clubmusik-Stilen vorstellen - und dabei versuchen, dem Publikum seine musikalische Ideologie im mehrstündigen Set verständlich zu machen.

Wie kam es dazu, dass du ein Mitglied der illustren Gigolo-Familie geworden bist?

1995 stieg ich nach einer Pause wieder als Techno-DJ ein. Zu der Zeit hörte ich auch über Freunde das erste Mal von DJ Hell (Chef und Mastermind von Gigolo Records, Anm. d. Red.), bevor ich ihn ein Jahr später in Berlin persönlich erleben konnte. Zwar in einer Touri-Abzocker-Location, aber was er am DJ-Pult daraus gemacht hat, war supercool. Schließlich legte ich 1999 in seinem Vorprogramm in der Tanzdiele auf, und konnte ihm auch mit Platten aushelfen, die anscheinend Eindruck gemacht haben. Von da an durfte ich mit dem Gigolo-Namen arbeiten, um meine Inhalte besser rüberbringen zu können, als wenn ich als DJ Torben F. unterwegs gewesen wäre.

Welche Inhalte sind das in deinem Fall?

Hm, das ist schwer auf den Punkt zu bringen. Meiner Meinung nach setzt Gigolo in kulturphilosophischer Hinsicht das fort, was Kraftwerk begonnen haben. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein integrativer Umgang mit den Veränderungen des täglichen Lebens durch Technik und Technologie. „Autobahn“ war zwar nicht sozialkritisch, aber als eine verborgene, kritische Reflexion zu sehen. Hier setzt Gigolo an, verbindet dabei die Tradition der 60er und 70er Jahre mit der Zukunftsträchtigkeit der eigenen Label-Veröffentlichungen, die Trends fast immer ein halbes Jahr im Voraus setzen. Das macht Hell schon seit langer Zeit so. Man könnte sagen, dass sein Ansatz gleichbedeutend mit dem von Gigolo Records und auch repräsentativ für mein Schaffen steht.

Wie entwickelte sich dein Beitrag zur aktuellen Label-Compilation?

Zur obligatorischen Gigolo-Party auf der ausgefallenen Love Parade 2005 hatte ich eine Demo-CD dabei, darauf auch der jetzt veröffentlichte Song. Ich hätte nie gedacht, dass ich gerade damit die besten Chancen haben würde. Zu dem Film, auf dem das Hauptthema beruht („Assault On Precinct 13“ von John Carpenter, Anm. d. Red.), habe ich ein ganz besonderes Verhältnis. Vor allem das Klavier und die Stimmung des Films versprühen so eine positive Desillusioniertheit - diese Atmosphäre wollte ich unbedingt vertonen. Im vergangenen Herbst kam eine E-Mail des Label-Büros, dass der Song auf der jetzigen Werkschau drauf sein würde. Das hat mich ziemlich von den Socken gehauen! „Nothing To Lose“ musste noch gemastert werden, das war’s. Jetzt bereite ich mich auf vier, fünf Songs vor, damit im Herbst die erste Gigolo-EP „by Herman Schwartz“ erscheinen kann.

Wie war bisher das Feedback? Gab es keine rechtlichen Probleme wegen der Verwendung des Original-Themas?

Mit Samples muss man extrem vorsichtig sein, aber ich habe ja alles alleine neu eingespielt. Von daher war das okay. Ich bin froh darüber, dass mein Song als Abschluss gesetzt worden ist. Sicher ein positiver Effekt, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen als irgendwo in der Mitte der Tracklist.

Versuchst du, diesen erworbenen Status in Kiel umzusetzen?

Ich hab’ mich vom Deejaying eher zurückgezogen in den letzten Jahren und mich eher aufs Producing konzentriert. Die stilistischen Konzepte, die ich größtenteils abdecke, kann man in Kiel kaum noch betreiben. Im Grunde habe ich aber auch keine Lust mehr, vor 25 Leuten aufzulegen - das gab es oft genug. Die wenigen Termine im Luna werde ich weiterhin wahrnehmen, aber mehr wohl nicht. Das hängt auch mit dem Zeitgeist zusammen: Sowohl das inhaltliche Interesse als auch die Beteiligung der etwas älteren Generation haben sich stark zurückentwickelt und sinnbefreite Trends zugenommen. Am Freitag werd ich ja sehen, ob mein Release dazu führt, dass da trotzdem ein ordentlicher Schuh draus wird.

Gigolo-Clubtour: Freitag, 23 Uhr, Luna (Support: Florian Schulz), weitere Informationen unter www.hermanschwartz.de