Ansteigende Form: Die Band Gut in der Hansastraße

 

Witze über Band-Namen macht man nicht. Nein, keine Witze. Dafür transportierte Jochen Klüßendorf, Sänger und Gitarrist bei Gut, auch zuviel Ernsthaftigkeit in den Texten und Ansagen.
Der Titel ihrer Platte Hamburg-New York jeden Morgen spielt von daher auch nicht auf das alltägliche Business-Verhalten von Jetset-Typen an, sondern auf die Schwimmstrecke gleich nach dem Aufstehen, um gegen die Sorgen anzukraulen und den Schweinehund Leben zu bekämpfen.

Zu kämpfen hatte die Hamburger Singer/Songwriter-Band in der Hansastr.48 zu Beginn ihres Konzerts mit profaneren Dingen, beispielsweise dem Zusammenspiel. Oder auch der Abmischung. Die Songs Still oder Du kennst mich wohl nicht mehr holpern erheblich. Zwar spielten Klüßendorf, Matthias Grube (Bass), Thomas Pfeuti (Schlagzeug) und Nikolay Bakulin (Akkordeon) gleichzeitig, aber nicht gemeinsam. So tönte jedes einzelne Instrument für sich, auf der Suche nach Einheit und Struktur. Auch die Wohltemperiertheit zwischen halbakustischer Gitarre und Cello (Jan Petersen) ging an manchen Stellen flöten, ohne dass der Schuldige gefunden wurde. Symptomatisch für den Abend?

Dass der Auftritt letztlich doch noch die Kurve bekam, lag an zwei Faktoren: zum einen schälte sich im Laufe des Konzerts der Gesang allmählich aus dem Soundgemisch und ließ den Zuhörer am Text teilhaben, und zum anderen können Gut auf sehr schöne Songs zurückgreifen. Deutschsprachiger Gitarren-Pop, der versucht, die Kluft zwischen "Radiohead und Reinhard Mey, The Pogues und Hans Albers" (O-Ton Klüßendorf) zu überbrücken. Nachdenklich stimmende Themen prägten die bildhaften Geschichten, oft verpackt in maritime Sujets, die nicht nur in diesen Passagen an Nils Koppruch (Fink) erinnerten. Lieder wie Die See ist weit oder Die Insel, ursprünglich von Rainer Maria Rilke, erzählten über Amrum und dortige, teilweise morbide Gepflogenheiten – und trafen auf nicht zahlreiche, aber wohlwollende Zuhörer. Bakulin, renommierter Jazz-Akkordeonist, unterstützte diese Atmosphäre und nutzte vor allem bei Likedeeler den sich bietenden Raum zur virtuosen Entfaltung.

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 24.05.2005 01:00