Habana Son beim Duckstein-Festival auf der Wasserbühne - Karibische Kreuzfahrt

Von Henrik Drüner

Sitzend auf den Stufen hält es jetzt niemanden mehr. Alle sind infiziert vom Kuba-Rausch und müssen die Energie, die von der Wasserbühne herunterschwappt, in Bewegung umsetzen. Habana Son sind in der Stadt und bieten in ihrem Programm eine Reise durch die musikalische Welt Kubas: Son, Salsa, Timba oder Cha Cha. Alles dabei, alles so typisch, alles unverkennbar im Stile des Buena Vista Social Club - und trotzdem alles so unwiderstehlich.

Die sieben studierten Musiker, sechs Männer und eine Sängerin, stehen unter der Schirmherrschaft des „Movimiento cubano por la paz“, einer kubanischen Friedensbewegung, die den kulturellen Austausch unter den Nationen fördert. Die Jüngsten von ihnen sind Anfang Zwanzig, während Eduardo Ursino Zuniga Noriega mit seinen sechzig Jahren stark an Wim Wenders’ Havanna-Verfilmung erinnert, durch die der Son in Europa seine Popularität erlangte. Doch die Alterspanne auf der Bühne scheint absolut unerheblich: Die Akteure vereint melancholische Lebensfreude und die Verkörperung von karibischer Leichtigkeit.

Vokale Fülle bringt der vierstimmige Gesang, der nicht nur bei „Bésame mucho“ und der getragenen Textzeile „Como si fuera esta noche la última vez“ die Leidenschaft der unglücklich Liebenden besingt. Oder waren es die Küsse einer letzten Sommernacht in Kiel? Egal, die mitreißenden Rhythmen bringen einen auf andere Gedanken, wobei Congas, Rasseln und Klangstäbe zu Kontrabass und Gitarre ein perkussives Feuerwerk entfachen. Grobkörnig sorgt die Trompete trotz des Signalcharakters für einfühlsame Bläsermelodien, während die Flötensoli vom Senior in den klaren, reinen Höhen und mit schrillen Kieksern das Klangspektrum erweitern. Angenehm, dass sich ohne Schlagzeug der ursprüngliche Sound, die Stimmen und Stimmung ungehindert ausbreiten können. Durch die repetitiven Arrangements sind die Lieder zum Tanzen ebenso geeignet wie für Freunde des gefühlsbetonten Liedguts - je nachdem, wie das Tempo die Richtung vorgibt.

Die erste Reihe auf der Bühne steppt bereits synchron. Im Publikum dauert es bis nach der Pause: Die Nacht hat sich über das Gelände des Duckstein-Festivals gelegt, bunte Lichter illuminieren die Szenerie an der Wasserbühne; etliche Paare geben sich eng umschlungen oder in wilden Drehungen dem Tanze hin und schwelgen dabei vielleicht in Erinnerungen an den letzten Urlaub. Oder in Vorfreunde auf den nächsten. Zumindest wird hier in hoher Dosierung das Fernweh gestillt. Nach über zwei Stunden Spielzeit erklatschen sich die begeisterten Zuschauer zwei Zugaben, darunter das eingängige „El Cuarto de Tula“, bekannt durch die Einspielung des Buena Vista Social Club. Viele Frauen werden ihren (noch) unbeholfenen und verspannten Partnern ins Ohr geflüstert haben: „Schatz, wollen wir es nicht doch noch mal mit einem Salsa-Kurs versuchen?“