Die Hamburger Band Halma kommt in die Hansastraße 48


Kiel – Die Musikerweisheit "Die wichtigste Note ist die Pause", die unter anderem John Cage zugesprochen wird, findet bei Halma ihre Entsprechung. Es scheint fast so, als löse sich die Hamburger Band komplett von der einengenden Dimension der Zeit. Schleppend, dunkel, repetitiv und meistens instrumental ziehen die Songs vorbei wie Wolken, die ihre Form verändern und dabei immer neue Strukturen und Muster preisgeben.

Auch das dritte Album Back To Pascal führt wieder in diese angenehm-meditative Stimmung. Inspiriert durch die Undergroundszene von Chicago entwickelt das Trio Fiona McKenzie (Schlagzeug), Thorsten Carstens (Gitarre, Lapsteel, Gesang) und Andreas Voß (Gitarren) seit 1999 seine Rocksongs – ein Jahr später auf dem Debüt Container verloren und gesunken veröffentlicht – im selbst ernannten Slowcore-Stil. Anna Bertermann (Synthesizer, Bass, Gesang) stieß 2003 bei den Aufnahmen von Minifield hinzu und komplettiert seitdem das Quartett. Irgendwo im weiten Feld zwischen Tortoise und einer ganz eigenen Ambient-Atmosphäre haben sich Halma eingerichtet. Dass die Songs aber auch den Hauch von Western & Cajun verströmen, liegt wohl am Werdegang der einzelnen Musiker: Carstens und Voß waren Mitglieder bei Fink um Nils Koppruch, McKenzie und Bertermann spielen bei Mountaineer.

Ein Bandleader, der mit fertigen Arrangements in den Proberaum kommt, existiert bei Halma nicht. Die Songs entstehen im Zusammenspiel der Ideen und Instrumente. Bei diesem organischen Wachstum reagieren die Musiker durch Improvisation aufeinander und stoßen in die Lücken der Kollegen. "Jedes Instrument macht eigentlich, was es möchte, und das passt super zusammen. Wir sind immer ganz begeistert, was die anderen spielen, und ich glaube, das hört man auch", erzählen sie beim "Sunday Service"-Interview des Hamburger Radiosenders FSK.

Schleichende Baritongitarren, pointierter Bass und luftiges Schlagzeug loten den konsequenten Stil der Langsamkeit aus, die absolute Reduktion. Die erzeugt einen nachhaltigen Druck, der sich in den Instrumentals nach und nach entfaltet – sogar das kürzeste Stück endet nur knapp unter der Fünf-Minuten-Grenze – und orientieren sich somit keineswegs an gängigen Popmustern. "Lass mich dieses Land bereisen vom Berg bis zum Meer", das Zitat von Countrysänger Hank Williams (aus Ramblin' Man) ist einer der wenigen Sätze, die auf Halmas aktueller Platte gesungen werden. Es ist eine lange Reise mit ästhetischen Mitteln, die gleichermaßen inspiriert und entspannt.

Sonnabend, 8. April, 21 Uhr, Hansastraße 48

Von Henrik Drüner

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