The Havana Lounge vereint Top-Stars des "Buena Vista Social Club" und junge Musiker


Buena Vista, das pulsierende Viertel von Havanna, steht seit den 30er Jahren stellvertretend für einen Brennpunkt kubanischer Musiktradition. Es ist der Charme vergangener Epochen, der hier nicht nur am Rostfraß an den alten Straßenkreuzern sichtbar wird – aus einer Zeit, als Kubas Hauptstadt noch das Freudenhaus Amerikas war. Und spätestens mit der Verfilmung von Wim Wenders in dessen Buena Vista Social Club wurde den europäischen Musikhörern ein Floh ins Ohr gesetzt, der sich bis heute, genährt durch Tanzkurse und Konzerte, bester Gesundheit erfreut.

Ähnlich dem Festival Son Cuba gibt auch The Havana Lounge einen Einblick in die vielfältigen Stilrichtungen des kubanischen Markenzeichens: eine Vereinigung von internationalen Top-Stars der Son-Szene und jungen Musikern, die sich ganz dieser traditionellen Musik verschrieben haben. Akustisch, handgemacht, zum Tanzen genauso geeignet wie zum stillen Genießen. Mit Geschichten über die verrückte, alles verschlingende Liebe und erotische Scharmützel, aber auch mit lyrischen Passagen voller Sehnsucht.

Als Vertreter der betagten Generation wird Pio Leyva tönender Beweis sein, dass Sinnlichkeit, universelle Lebensfreude und Ganzkörper-Musikalität nicht unbedingt eine Frage des Alters sein müssen. Im Gegenteil, gerade die "Alten" charakterisieren als Zeitzeugen und Botschafter die künstlerische Gestaltung von Rumba, Cumbia, Cha Cha Cha und Guaracha vor einem halben Jahrhundert. Der 87-jährige Sänger Leyva gilt als Meister der Improvisation und beherrscht die Kunst, spontan Texte zu dichten und in die feurigen, perkussiven Afro-Latin-Rhythmen einzubinden. Weitere Akteure, die im "Buena Vista Social Club" verewigt wurden, sind Trompeter Yanko Pisaco und Sänger Julio Alberto Fernandez.

Letzterer arbeitete viele Jahre mit Compay Segundo zusammen und sang mit ihm beispielsweise den Titel Amor de Loca Juventud. Von den "Afro Cuban All Stars" kommen Guillermo "Rubalcaba" Gonzales (Klavier), Daniel de Jesus Ramos Alayo (Trompete) und Ricardo Martinez (Percussion) zum Einsatz, die die afrikanischen Wurzeln des Son Cubano vertonen. Rachid Lopez Gomez (Gitarre), Maikel Elizarde Ruano an der Trés, einer kleinen kubanischen Sologitarre sowie Cesar Bacaro (Bass) komplettieren die große und ursprünglich gehaltene Besetzung.

Was die Musik der Karibikinsel ausmacht? Es mag die Fähigkeit sein, wahre Emotionen zu vermitteln, ohne kitschig zu wirken. Der Fernweh-Faktor in Zeiten fröstelnden Graus sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden...


Sonntag, 19 Uhr, Kieler Schloss

 

Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 30.12.2004 01:00